Adel berichtet (39) : Kandt, übernehmen Sie!

Stefan Stuckmann erzählt, wie unser Redaktionspraktikant Cedric zu Guttenberg die Stadt erlebt.

Stefan Stuckmann
Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Na gut, dann war das vielleicht etwas voreilig, dem Chef zu erzählen, die Homestory mit dem designierten Polizeipräsidenten Klaus Kandt sei „praktisch druckreif“. Als sich zwei Stunden später Kandts Sekretärin immer noch weigert, mir dessen Maße für den Schlittschuhverleih durchzugeben, ziehe ich mich mit meinem Jungdackel Taxi zurück, um über einen Plan B nachzudenken. Dann fällt uns die Kolumbus-Doku ein, die wir letztens gesehen haben – und wie das dort gelöst wurde, dass der echte Kolumbus nicht verfügbar war ...

Eine Stunde später sitze ich mit Taxi im Café Einstein und warte auf unsere absolute Idealbesetzung von der Schauspielagentur „Clowns und Co“: Sergei, 54 Jahre jung und ehemals Stuntman bei der Defa. Gut, auf dem Künstlerfoto hat er weniger Haare als Klaus Kandt, aber dafür kann er fechten und auf Kommando weinen.

Punkt 16 Uhr ist es so weit: Draußen wird ein Taxi langsamer, die Tür öffnet sich und Sergei lässt sich auf die Straße fallen. Dreimal geschickt abgerollt, und schon steht er vor meinem Tisch. „Hallo“, sagt er und streift sich das Laub von der Uniform, „ich bin Klaus!“

Klaus bestellt eine Flasche Champagner, um auf seinen neuen Job anzustoßen, dann erzählt er mir, wie er in den 80ern als Mitglied der GSG9 Terroranschläge verhindert hat: „Zwei bis drei die Woche – Kleinigkeit!“ Einmal, erzählt er, hat er unter einem fahrenden Intercity eine Bombe entschärft – nur mit einer Monatskarte und einem Überraschungsei.

Klaus lässt sich noch ein Schnitzel bringen, dann wird es emotional. Warum er zur Polizei gegangen ist, frage ich ihn. „Wegen Vater!“, schluchzt er und erzählt weinend seine Geschichte: Wie Autodiebe den Opel Kadett des Vaters nach Südamerika verschoben hätten – obwohl der noch am Steuer saß. Wie Klaus danach jahrelang bei peruanischen Privatarmeen Praktika machte, um seinen Vater wiederzufinden. Und wie ihm kurz nach dem Fachabi der Geist seines Urgroßvaters auf dem Popocatépetl erschienen ist und ihm eine Schriftrolle mit einem Namen übergeben hat: Frank Henkel. Begeistert schaue ich zu Taxi, der mit Kopfhörer neben dem Diktiergerät sitzt. Er nickt: Alles auf Band!

Danach der Praxistest: „Wie sah Ihre Mütze aus?“, fragt Klaus, als wir vor der Wohnung meiner Nachbarn stehen – vier ungehobelte Lehramtsstudis. „Weiß“, sage ich, „mit roten Punkten!“ Klaus nickt und tritt die Tür ein. „Gib mir zwei Minuten.“ Wahnsinn, denke ich. Da hat Frank Henkel mal wieder alles richtig gemacht.

Hochachtungsvoll,

Ihr

Cedric

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