Adel berichtet (43) : Gewaltbereite Auenländer

Stefan Stuckmann erzählt, wie unser Redaktionspraktikant Cedric zu Guttenberg die Stadt erlebt.

Stefan Stuckmann

Bis zum Sonnenaufgang habe ich am Mittwoch überlegt, ob ich die Wellnessreise für mich und den Chef nach Florida buchen soll oder doch lieber nach Paris. Ich meine: Sobald man mal drin ist im Disneyland, sind die Unterschiede marginal. Aber aus Florida kämen wir als braun gebranntes Duo zurück – und das war mir die 2 000 Euro Aufpreis am Ende wert.

Die Reise ist also gebucht, jetzt muss ich nur noch beim Wichteln auf der Weihnachtsfeier seinen Namen ziehen – nicht, dass mein Geschenk an irgendeinen Journalistenschüler auf Praktikum geht. Kleinigkeit! Mein Jungdackel Taxi hält den Teller, während ich die Schokokekse mit dem Fön bearbeite. Als der erste Keks Blasen wirft, schicke ich Taxi hoch zum Chef – einen schokoladigen Snack vorbeibringen.

Zwei Stunden später dann der große Moment: Als der Volontär mir den Hut mit den gefalteten Namenszettelchen hinhält, schaue ich beiläufig über seine Schulter, kneife die Augen zu und rufe: „Wahnsinn! Jürgen Klopp als Weihnachtsmann verkleidet in der Sportredaktion!“ Während der Volo losrennt, um den Wimpel von seinem Fahrrad zu holen, suche ich mir in aller Ruhe den Zettel mit den Schokoabdrücken heraus. Doch dann die Überraschung. Auf dem Papier finde ich nicht den Namen des Chefs, sondern – den Abdruck einer Pfote! Fassungslos schaue ich zu Taxi. „Aber ...“, stammele ich. „Hunde haben doch sowieso freien Eintritt!“ Irritiert lässt Taxi sein linkes Ohr sinken. Dachte er etwa, ich will ohne ihn fahren?

Um zu zeigen, wie wichtig mir Taxi ist, nehme ich mir den Rest des Tages frei und lade ihn in die große Sesamstraßen-Ausstellung ins Filmmuseum am Potsdamer Platz ein. Erst, als wir spätabends den Heimweg antreten, gibt es doch noch mal Ärger: Drei gewaltbereite Hobbits stolpern zeitgleich aus dem Kino gegenüber. Es kommt zum Showdown. Einer der Hobbits zeigt lachend auf das Foto von uns mit Tiffy, das ich in der Hand halte, woraufhin Taxi ihm pflichtbewusst in die Wade beißt. Eine Minute später liege ich auf dem Boden, als sich plötzlich ein großer Schatten über mich schiebt. „Uiuiuiuiui!“, dröhnt es über den Platz.

Na ja, und jetzt fahren wir halt mit Samson ins Disneyland, und der Chef bekommt vom Volontär eine Packung losen Früchtetee. Das ist für alle nur die zweitbeste Lösung, aber ich habe ja noch andere Pläne, dem Chef nahe zu sein. Das Kostüm habe ich schon besorgt – jetzt muss ich nur noch rauskriegen, welcher von den vier Kaminschächten auf seinem Haus in seine Wohnung führt ...

Hochachtungsvoll,

Ihr

Cedric

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