ADEL berichtet FOLGE  52 : Zurück in die Cukunft

Stefan Stuckmann zeichnet auf, wie unser Redaktionspraktikant Cedric zu Guttenberg die Stadt erlebt.

Es ist kurz vor 16 Uhr am Freitagnachmittag, als sich mein Jungdackel Taxi und ich auf den Weg machen zum Termin mit dem Chef: Ein Jahr bin ich jetzt Praktikant, und es ist höchste Zeit, über meine Zukunft zu reden. Vor seinem Büro schultere ich den Ghettoblaster, dann drücke ich auf Start. Zu den ersten Takten von „Highway to the Danger Zone“ betrete ich den Raum, während Taxi hinter mir die Nebelmaschine anwirft. Doch kaum habe ich mit dem Minibeamer in meiner Hand die Zuwächse im Onlinesegment während meiner Tätigkeit auf die ersten Schwaden projiziert, taucht die Sekretärin vor mir auf: Der Chef sei außer Haus, ob ich was ausrichten lassen möchte? Enttäuscht schaue ich mich um. Ich hatte gleich das Gefühl, dass irgendwas fehlt.

Doch als kurz darauf der Schlangenmensch, die Eisskulpturen und die Hüpfburg für die Jubiläumsparty geliefert werden, ist die schlechte Laune wie weggeblasen – im wörtlichen Sinn, den Kompressor hätten wir extra mieten müssen.

Um 20 Uhr ist es dann so weit: Taxi gibt der Luftgitarrenband das Zeichen, dann springen wir gemeinsam auf die Bühne. Doch statt großen Applauses: nichts. Irritiert bleibe ich stehen und schaue durch das Foyer. Niemand da – dabei hatte ich doch extra alle Außentüren verplombt. Nacheinander durchsuchen wir alle Büros. Doch überall: gähnende Leere. An einem offenen Fenster im Treppenhaus finde ich ein abgerissenes Betttuch mit BVB-Aufdruck, aber vom Volontär: keine Spur. Ich will schon aufgeben, als Taxi ein Geräusch hört. Aus dem Heizungskeller? Sofort schleiche ich die Treppe hinab und reiße die Tür auf. Und tatsächlich: Alle Kollegen stehen eng aneinandergedrängt und schauen auf den Boden.

„Was ...?“, stammele ich. Es dauert ein paar Sekunden, dann löst sich der Chef aus der Menge und ruft: „Überraschung!“ „Ich hab’s gewusst!“, flüstere ich, als ich den Chef umarme. Und als er mir die silberne Krone überreicht, die ein bisschen aussieht wie ein altes Heizungsrohr, läuft mir glatt eine Träne über die Wange.

Später, am Schokobrunnen, haben wir dann auch noch über meine Laufbahn gesprochen. Das mit dem Eckbüro wird nichts, aber dafür leite ich – neben dieser Kolumne – ab sofort als Chefpraktikant das Ressort „Zukunft“. Gemeinsam mit Taxi entwickele ich Inhalte für noch nicht erfundene Endgeräte – absoluter Journalismus 2.0, am Rande des publizistisch Möglichen. Eine große Verantwortung, die ich annehme – und für die ich gern auf 100 Prozent meines Gehalts verzichte!

Hochachtungsvoll,

Ihr

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