ADEL berichtet FOLGE  76 : Zoo 3000

Stefan Stuckmann zeichnet auf, wie unser Redaktionspraktikant Cedric zu Guttenberg die Stadt erlebt.

„Na warte, dir geb ich ,bemüht im Rahmen seiner Möglichkeiten’!“, rufe ich und klopfe laut an die Zimmertür meines Jungdackels Taxi. „Dann such dir doch einen anderen, der dir Lasagne macht!“

O. k., vielleicht hätte ich Taxi besser erklären sollen, wie ich mir das genau vorstelle mit dem Empfehlungsschreiben, das er mir für meine Bewerbung als Nachfolger des scheidenden Zoodirektors Bernhard Blaszkiewitz aufsetzen soll. Andererseits hätte ich auch niemals erwartet, dass der feine Herr Dackel die achteinhalb DIN-A4-Seiten in erster Linie dazu nutzt, um meinen Erziehungsstil zu behandeln wie einen beliebigen Baum am Straßenrand, nachdem er sechs Liter Club-Mate getrunken hat: „Entwicklungsfähige Kenntnisse im Bereich von artgerechter Unterbringung“ – wie oft soll ich denn noch erklären, dass das W-Lan in seinem Zimmer nur wegen der Schallisolierung an der Wand so langsam ist? Und hab ich ihm umgekehrt jemals vorgeworfen, dass er das Schlagzeug seit dem 2. Weihnachtstag nicht mehr angefasst hat?

Während Taxi schmollt, nutze ich die Zeit, um mein Konzept „Zoo 3000“ zu überarbeiten, das, aufbauend auf den drei Säulen Konsolidierung, Flexibilisierung und Pumakäfighygiene, die Berliner Zoolandschaft im Pfotenumdrehen fit machen soll fürs nächste Jahrtausend. Kernstück: das Effizienzprogramm „Antilope“. Mit Abschaffung aller Tierpfleger und Einführung einer zentralen Futtermensa werden die Tiere einem sanften Evolutionsdruck ausgesetzt, der kurzfristig Geld spart und langfristig Vorurteile abbaut – wenn etwa Braunbär und Eisbär erkennen, dass Fellfarbe keine Rolle spielt, können wir den Bedarf für Lecksteine, Autoreifen und abgeschubberte Holzstücke um 50 Prozent reduzieren!

Weil Effizienz allein keine neuen Besucher anlockt, wird „Antilope“ flankiert von der Entertainmentoffensive „Ausgebrochener Schimpanse“. Ich will an dieser Stelle nicht zu viel verraten, aber wenn Sie schon immer mal Lust hatten auf Flamingoreiten, Gartenschach gegen Gorillas oder eine Partie Versteckspielen mit Nemo, unserem zahmen Piranha, dann lassen sie diese Zeitung bitte unauffällig unter dem Tisch verschwinden, bevor der Tierschutz was mitkriegt.

Und keine Angst übrigens, dem Journalismus könnte ich natürlich treu bleiben. Ich hab die Affen noch nicht durchgezählt, aber selbst wenn es keine tausend sind: Wenn wir iPads nehmen statt Schreibmaschinen, schaffen wir sicher trotzdem vier bis fünf Kolumnen am Tag.

Hochachtungsvoll,

Ihr

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