ADEL berichtet FOLGE  89 – UND SCHLUSS : Das Ende

Hier erzählte Stefan Stuckmann, wie unser Redaktionspraktikant Cedric zu Guttenberg die Stadt erlebt.

„Spiel’s bloß nicht noch einmal, Drecksau!“, rufe ich, als ich dem Volontär die Ukulele abnehme. „,Time of My Life‘ dürfen nur Taxi und ich an unserem Jahrestag sing...“ Schockiert halte ich inne. „Ich dachte, du seist auf Fortbildung?“, sage ich zu meinem Jungdackel, der verträumt vor dem Volontär sitzt. „Und was ist ... wer ist ...?“, stottere ich, als mir die attraktive Dackeldame neben ihm auffällt.

„Was soll das heißen, verlobt?“, schreie ich, nachdem mich der Volontär auf die Dachterrasse gebeten hat. „Taxi und Elsa haben sich“, erklärt er, „schon als Welpen beim Hundeyoga verliebt. Das war nur wenige Tage, bevor Taxis altes Herrchen mit riskanten Sportwetten auf die Hertha in die Obdachlosigkeit gerutscht ist.“

Als Taxi und ich uns das nächste Mal begegnen, sitzen wir an gegenüberliegenden Seiten im Konferenzraum. „Jetzt geht es natürlich darum“, sagt der Volontär, „wer die zwei Praktika bei der New York Times ...“ – „Die haben zugesagt?“, rufe ich und schaue begeistert zu Taxi. Er weicht meinem Blick aus. „Wenn ihr euch nicht einig werdet“, sagt der Volo, „fährt die Schülerpraktikantin.“ – „Wow, super, da könnte ich ja ein Blog dazu machen!“, sagt eine Mädchenstimme hinter mir. Ich werde ohnmächtig.

Als ich Freitagmorgen in Tegel über das Rollfeld laufe, ist mein Ultimatum an Taxi 48 Stunden alt: Entweder wir fliegen zusammen, oder ich blockiere ihn bei Facebook. Er hat nicht reagiert. Doch plötzlich: eine Pfote auf meinem Schuh! Es ist Taxi, mit einer Rose im Maul.

Ich breche gerade in Tränen aus, als ich ein diabolisches Lachen höre. Auf der Gangway steht die Schülerpraktikantin mit der gefesselten Dackeldame und den zwei Praktikumseinladungen. „Schnell, Taxi, wir kippen Murmeln auf die Startbahn!“ Doch kaum rennen wir los, bremst eine schwarze Limousine vor dem Flugzeug. „Halt, Innensenator!“, ruft eine seriöse Stimme.

Als Frank Henkel die Schülerpraktikantin abführt, steht Taxi bei Elsa. Sie zittert. Zärtlich leckt er ihr über das Gesicht. Als die Turbinen aufheulen, atme ich tief durch. „Ich glaube“, sage ich leise, „ihr habt einen Flieger zu erwischen.“

Als das Flugzeug im Sonnenaufgang verschwindet, steigt Frank Henkel wieder in seine Limousine. „Guter Anzug übrigens!“, sagt er. „Schon mal überlegt, was mit Politik zu machen?“ – „Ich glaube“, sage ich und lehne mich lässig an den Dienstwagen, „das ist der Beginn einer wunderbaren ... Halt, nein, nicht losfahren, mein Sakko hängt in der Tür!“

Hochachtungsvoll,

Ihr

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