Adieu Tempelhof : Protest und Partylaune

Es ist soweit: In Tempelhof endet nach 85 Jahren der Flugbetrieb. Als Zaungast, Demonstrant oder vom Fernsehsessel aus: So kann man dem Airport Adieu sagen.

Heute ist es so weit: In Tempelhof endet nach 85 Jahren der Flugbetrieb. Eine Abschiedsfeier für alle Berliner hat der Senat nicht organisiert, aber trotzdem gibt es viele Gelegenheiten, sich vom „ Zentralflughafen“ zu verabschieden. Die Haupthalle ist jedoch bereits von heute an gesperrt; nur die Passagiere für die letzten Flüge dürfen sie noch betreten.



Die Abschiedsgala

Die Flughafengesellschaft hat 800 Vertreter aus der Politik, der Wirtschaft und mit ihr verbundenen Unternehmen zu einem Abendempfang in der Abflughalle eingeladen. Mit dabei ist der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), der Aufsichtsratsvorsitzende der Flughafengesellschaft ist. Wowereit wird eine Rede halten. Im Bühnenprogramm sollen „Geschichte und Geschichten“ des Flughafens vorgestellt werden – mit Filmen und Interviews. Auch ein private Feier im Flughafenrestaurant ist geplant. Wer teilnehmen will, muss bezahlen. Die Teilnahme an der Feier des Flughafens ist gratis.

Der letzte Linienflug

Er soll, beobachtet von den Gästen, um 20.50 Uhr starten. Letztes Ziel im Tempelhof-Verkehr wird Mannheim sein. Der Abschiedsflug von Cirrus Airlines ist eigens von 20 Uhr nach hinten verschoben worden, kurz vor den Beginn des üblichen Flugverbotes um 22 Uhr.

Die letzten Starts

Gleichzeitig oder zumindest fast gleichzeitig wollen die Junkers Ju 52 der Lufthansa-Stiftung und der Rosinenbomber DC 3 um 23.55 Uhr abheben – fünf Minuten, bevor die Betriebsgenehmigung für den Flughafen erlischt. Die Flugsicherung hat ausnahmsweise einen Parallelstart zugelassen, obwohl der Abstand der Bahnen dafür eigentlich nicht ausreicht. Vom Geschick der Piloten wird es abhängen, welche der Traditionsmaschinen tatsächlich als Letzte abhebt.

Tipps für Zaungäste

Die Halle ist für die geladenen Gäste reserviert, aber den besten Blick auf die letzten Flugzeuge hat man sowieso von draußen. Knapp zwei Dutzend Starts und Landungen gibt es heute nochmal von früh bis spät. Die Hobby-Flugzeugfotografen von „Berlin Spotter“ empfehlen diese Standorte: an der Oderstraße (also östlich des Flughafens), zwischen Jugendheim und Kolonie („Das Tor steht manchmal offen“) oder auf dem Friedhofsgelände („Der Zaun ist löchrig“). Wem das nicht gefällt, der sollte direkt zum U-Bahnhof Paradestraße gehen. Dort befindet sich ein Lüftungsschacht nahe der Bushaltestelle, von dem aus man alle Rollbahnen überblicken kann.

Draußen oder live im Fernsehen

Schön warm anziehen! Um 16.40 Uhr ist Sonnenuntergang, die Temperaturen sinken auf ein Grad. Wem das zu kalt wird, der setzt sich vor den Fernseher und guckt das Tempelhof-Spezial im RBB. Der zeigt ab 20.15 Uhr Sondersendungen und ab 23.55 Uhr den Abflug der letzten beiden Maschinen – live. Anschließend werden die blauen, roten und weißen Lichter auf dem Rollfeld ausgeschaltet – festgehalten von einer Kamera im Hubschrauber.

Party in Neukölln

Das Kulturamt Neukölln widmet dem Flughafen zum Abschied am Donnerstag eine Lange Partynacht. In der Galerie am Körnerpark, Schierker Str. 8, erinnert das Mobile Museum an die Geschichte des Airports. Ab 20.30 Uhr auf dem Programm: eine Lesung von Horst Bosetzky, Songs aus der Zeit der Luftbrücke von der Combo Triple Sec, eine 25-Minuten-Dokumentation über die Historie und eine Live-Übertragung vom Flughafen um Mitternacht. Der Eintritt ist frei, Einlass ist ab 18 Uhr.



Party draußen

50 Künstler aus 12 Ländern sagen dem Flughafen auf ihre Art Adieu: mit einer Live-Performance ab 17 Uhr vor dem Gebäude Tempelhofer Damm 2, in dem die Kunstmesse Artville stattfindet. Auf großen Holzplatten wollen die Künstler ihre Visionen zum frei werdenden Gelände präsentieren und mit dem Publikum diskutieren. Anschließend gibt’s Party in der Ausstellung: Kunst, Bier und auf den Balkonen des Hauses einen Logenplatz mit Blick auf die letzten Starts.

Demo vor dem Gebäude

Flughafenfreunde wollen sich von 18 Uhr an auf dem Platz der Luftbrücke treffen und bis 24 Uhr dort demonstrieren. Taschenlampen, Trillerpfeifen und Transparente sollen mitgebracht werden.

Drachen am Himmel

Flughafengegner feiern das Aus gemeinsam und wollen nach Mitternacht beleuchtete Drachen in den dann flugfreien Himmel steigen lassen.

Der Tag danach

Ab Freitag wird die Haupthalle nur noch für Führungen aufgeschlossen. Die Flughafengesellschaft bewirtschaftet das Objekt aber vorerst mit 38 Mann weiter, auch neun Feuerwehrleute bleiben in Tempelhof. Spätere Führungen können unter Tel. 90 166 1484 gebucht werden und kosten 12 Euro. Schüler und Studentengruppen erhalten Ermäßigung.

Unser Tempelhof-Spezial im Netz:

www.tagesspiegel.de/tempelhof

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