Berlin : Adlon-Erbauer will Metropol kaufen FDP für Club à la „Moulin Rouge“

in stillgelegtem Theater

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Für das seit sechs Jahren unbespielte MetropolTheater wird es Ernst: Ende des Monats läuft die Ausschreibungsfrist für das Grundstück an der Friedrichstraße aus. Es könnte, je nach Investor, für einen geplanten Büro- oder Hotelkomplex abgerissen werden - oder auch als Musicals-Theater erhalten bleiben. Dafür gibt es mit Anno August Jagdfeld und seiner Fundus-Gruppe einen von mehreren Bewerbern.

Ginge es nach der Berliner FDP und ihrem Vorsitzenden Günter Rexrodt, könnte es hier neben Musicals auch Nachtklubs nach Art des Moulin Rouge oder Crazy Horse geben. Der kleine Parteitag hat das soeben beschlossen. Ginge es nach Anno August Jagdfeld, dem Erbauer des Adlon, stünde auf den Plakaten vor allem erst einmal die Ankündigung seines Lieblingsmusicals: „Cabaret“.

Fundus-Sprecher Peter Clever wollte gestern nicht bestätigen, dass Jagdfeld, der das Gebäude sanieren will, an einen symbolischen Kaufpreis von nur einem Euro denkt. Der Kaufpreis sei allerdings von den späteren Investitionen abhängig, hieß es. Berlin müsse die Grundsatzfrage klären, ob es ohne Rücksicht auf den Denkmalschutz „schnelles Geld“ mit Büroflächen erzielen oder ein altehrwürdiges Haus langfristig erhalten wolle. Claus Guggenberger von der Finanzverwaltung betonte, Senator Thilo Sarrazin sei an einer „ertragsmaximalen Verwertung“ des Gebäudes interessiert. Das schließt, fürchten Skeptiker, einen Abriss des Hauses nicht aus. Bei der Vergabe des Grundstücks sollte eine künstlerische Nutzung „bevorzugt“ werden, sagte Guggenberger. Über die Zahl der Mitbewerber beim Ausschreibungsverfahren wollte er keine Angaben machen.

Schon im Sommer 1999 hatte sich die Fundus-Gruppe gemeinsam mit dem Musical-Produzenten Friedrich Kurz um die Übernahme des Metropol-Theaters beworben, kam aber nicht zum Zug. Anschließend zerplatzen Pläne der holländischen Stage-Holding für ein Musicalhaus. Das Theater wurde deshalb wieder vom Land Berlin übernommen und im März neu ausgeschrieben.

In ihrem am Dienstag verabschiedeten Antrag forderte die FDP den Liegenschaftsfonds auf, diejenigen Angebote vorzuziehen, die Vorschriften des Denkmalschutzes einhalten und eine Nutzung gewährleisten, die dem Charakter des Stadtteils und der Geschichte des Hauses entsprechen. In Mitte gebe es bereits viele Neubauten für Hotels, Büros oder Autohäuser. Mit einem wiederbelebten Musicaltheater und ergänzenden Nachtklubs, gegen die auch Fundus nichts einzuwenden hat, könnten mehr Touristen in die Stadt kommen. Leichte Unterhaltung in Berlin, das zeigten diverse Beispiele, sei wirtschaftlich durchaus tragfähig.C. v. L.

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