Admiralbrücke : Party auf Pollern: Anwohner wollen klagen

Dass die Admiralbrücke Feiermeile bleiben soll, ärgert Betroffene. Sie ziehen vor Gericht, weil der Bezirk Kreuzberg die Brücke nicht umbaut

Annette Kögel
284036_3_xio-fcmsimage-20090625222353-006002-4a43dcd93365f.heprodimagesfotos83120090626dc-1635251.jpg
Schleichweg. Auf der Admiralbrücke bremsen Autofahrer meist rücksichtsvoll ab – oder gehen auch mal verärgert aufs Gas, weil die...

Die Party auf Pollern geht weiter: Die Admiralbrücke über dem Landwehrkanal im Kreuzberger Graefekiez wird doch nicht umgestaltet. Dass die im Bezirksamt zuständigen Stadträte plötzlich von ihrer Linie abgerückt sind und nun doch nicht durch bauliche Veränderungen erwirken, dass die Brücke vor allem nachts weniger gemütlich wird, ärgert betroffene Anwohner maßlos. „Wir werden Klage einreichen“, sagt einer der Anlieger, der seinen Namen aber lieber nicht preisgeben will. Wie er verbringen zahlreiche Anwohner am Plan- und Fraenkelufer sowie an der Grimm-, der Admiral- und der Böckhstraße seit Jahren schlaflose Nächte, weil feierfreudige junge Berliner und Touristen im romantischen Ambiente die Nacht zum Tag machen. Das Nachbarschaftshaus Urbanstraße, das die Mediationsrunden beider Seiten begleitet, schlug neue Dezibelmessungen im Kiez vor.

Die Admiralbrücke – sie ist zur mediterranen Großstadtterrasse geworden. Tags wird musiziert und „gechillt“, wie die Studenten sagen. Das Leben-und-leben-lassen-Gefühl hat auch viele Anwohner in die Gegend ziehen lassen. Doch nachts ändere sich das Publikum, klagen auch viele Familien: Die Leute drehen Musikanlagen auf und werden ob des Konsums von Drogen oder einfach aus Lust am Leben lauter, als es jenen guttut, bei denen der Wecker früh klingelt. Bislang hatten Baustadträtin Jutta Kalepky (parteilos, für Bündnis 90/Grüne) und ihr SPD-Kollege Peter Beckers, zuständig fürs Ordnungsamt, Alternativen für einen Umbau diskutiert. Kalepky lud am 23. Juni zu einem Bürgertreffen, bei dem es um die „Gestaltungsveränderungen“ der „verkehrlichen und baulichen“ Lage gehen sollte. Zum Ärger der Anwohner wurde beim Treffen aber eine Pressemitteilung der Grünen verteilt: „Admiralbrücke: Kein Umbau – Aufenthaltsqualität soll bleiben“: Es würden keine Poller abmontiert, die Spielstraße nicht für den Durchgangsverkehr geöffnet.

„Dass die Stadträtin so von ihrer Fraktion zurückgepfiffen wird, verärgert uns extrem“, sagt der Anrainer-Vertreter. Solange die Spielstraße nicht umgewidmet werde, habe die Polizei keine Handhabe, die Brückengäste zum Verlassen der Mittelinsel aufzufordern. Ein nun diskutiertes Alkoholverbot auf der Brücke könne nicht durchgesetzt werden. Dass die Polizei überhaupt aufgefordert werde, stärker einzugreifen, sei witzlos: „Wenn die Beamten eintreffen, sind die Gröler oft schon weg.“ Und die Mitarbeiter des Ordnungsamtes haben um 22 Uhr Dienstschluss.

Nächstes Treffen zur Admiralbrücke am 8. Juli, 19 Uhr, Nachbarschaftshaus Urbanstraße 21. Infos und Kontakt: gekko@nachbarschaftshaus.de, www.admiralbruecke.de

0 Kommentare

Neuester Kommentar