Berlin : Admiralspalast: Entscheidung heute

Noch gibt es kein grünes Licht. „Dreigroschenoper“-Produzent tobt vor Wut

Matthias Oloew

Im Angesicht dieser Baustelle muss man Nerven wie Drahtseile haben oder Falk Walter heißen. „Man stolpert noch ein bisschen in das Gebäude“, sagt er am Montag Nachmittag auf einer Pressekonferenz, auf der er eigentlich den restaurierten Admiralspalast vorstellen wollte. Doch das Haus ist mit Ausnahme des Theatersaals noch eine komplette Großbaustelle. Während Walter spricht, läuft über der Bühne lautstark die Entrauchungsanlage. Die Techniker haben ausrichten lassen, wenn sie jetzt nicht testeten, werde das nichts mehr.

Denn heute muss alles funktionieren. Heute ist der Tag, an dem die Bauaufsicht des Bezirksamts Mitte prüft, ob zumindest alle Sicherheitsstandards erfüllt sind. Springt das Notstromaggregat an? Funktioniert die Entrauchung, die Lautsprecheranlage für die Feuerwehr? Sind die Notausgänge frei und vorschriftsmäßig beleuchtet? Funktioniert das alles, gibt es das behördliche Okay, vielleicht mit Auflagen. Aber dann könnte die Premiere der „Dreigroschenoper“ am Freitag tatsächlich stattfinden. Falk Walter glaubt, dass es so ist: „Wir schaffen das.“

Im Hof steht einer, der das nicht glaubt. Lukas Leuenberger, der Produzent der Brecht/Weill-Oper, schimpft und schreit seinen Frust heraus: „Walter hat sich sechs Wochen lang nicht auf der Baustelle sehen lassen, und jetzt macht er hier den großen Zampano!“ Leuenberger kündigt an, Walter in jedem Fall auf Schadensersatz verklagen zu wollen. „Ich weiß nur, dass ich vollkommen am Ende bin“, sagt er, „es ist schade für dieses Haus, dass es an solche Leute gefallen ist!“

Walter und seine Kompagnons versuchen die Wogen zu glätten: „Hut ab vor der Geduld von Klaus Maria Brandauer und dem Ensemble“, sagt Walter, „sie haben Unglaubliches geleistet und viel Geduld bewiesen mit der Situation, die wir ihnen eingebrockt haben.“ Miteinander sprechen die Herren Walter und Leuenberger offenbar gar nicht mehr.

Leuenberger, der nach eigenen Angaben dreieinhalb Millionen Euro in die Produktion gesteckt hat, sucht nach einem Ausweich-Standort für den Fall, dass die Behörde heute sagt: Keine Premiere am Freitag. Auch an der Behörde lässt der Schweizer kein gutes Haar: „Es ist ein Unding, dass erst drei Tage vor der Eröffnung die Bauabnahme stattfindet“, sagt er. Und schließlich: „Ein Skandal ist das!“

Drei Gründe sind ausschlaggebend, dass die Bauarbeiten aus dem Zeitplan geraten sind. Da ist erstens der lange Winter, der verhinderte, dass die Bauleute betonieren konnten. Da ist zweitens der Wechsel zu einem anderen Architekturbüro, in dessen Folge die Pläne umgeworfen wurden. Und drittens sind es die Proben, die Brandauer gerne in dem Saal abhalten wollte, in dem seine „Dreigroschenoper“ auch gespielt wird. So haben sich im Admiralspalast lange Zeit Künstler und Bauleute gegenseitig im Weg gestanden.

„So eine Baustelle entwickelt irgendwann ihre Eigendynamik“, sagt Joachim Barth, einer der vier Admiralspalast-Teilhaber um Falk Walter. Das wirkt sich auf das Budget aus. Statt knapp zehn Millionen Euro liegen die Baukosten jetzt, so Barth, bei 15 Millionen. „Eigentlich wollten wir an dem Saal nicht viel machen“, erklärt er, „jetzt haben wir’s doch getan, und es ist toll geworden.“ Die Sitze können herausgeschoben werden, und schon ist das Theater ein großer Ballsaal.

Darin soll am Freitag groß gefeiert werden. Vorausgesetzt, es gibt heute grünes Licht.

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