Adventsshopping : Viel Luft zwischen der Reizwäsche

Das dritte Adventswochenende gehört im Einzelhandel zu den umsatzstärksten Tagen des Jahres. Doch das diesjährige Weihnachtsgeschäft hakt ein wenig - die Ladenbesitzer lassen sich ihren Optimismus dennoch nicht nehmen.

Andreas Conrad
KaDeWe
Noch wollen die Einzelhändler übers Weihnachtsgeschäft nicht jauchzen, auch wenn in Einkaufstempeln wie dem KaDeWe viel los ist. -Foto: Uwe Steinert

Wenn das kein Zeichen ist! Die zweite Hälfte des Samstagnachmittags hat begonnen, am Vortag des traditionell umsatzstarken dritten Advents, und da donnert schon die alljährliche Motorradkohorte der Weihnachtsmänner über die Tauentzienstraße. Die potenziellen Kunden vor dem Eingang des KaDeWe drehen sich ein letztes Mal um, zücken Kameras, Handys, bevor sie in die bunte Warenwelt eintauchen – durch zwei Flügeltüren hinein, durch eine wieder raus, so soll es sein.

Das Gedränge kurz hinterm Eingang muss jedem Kaufhaus-Manager das Herz im Leibe hüpfen lassen. Das liegt auch an den Touristen mit ihren Ahs und Ohs, die vom Winterzauberwald des Lichthofs erst mal schwer beeindruckt sind. Dahinter kann man aufatmen: Viel Platz zwischen den Ständen mit den Taschen, ebenso im Areal der Duftwässerchen und Schönheitscremes. Enttäuscht sei sie heute, klagt eine für die Wohlgerüche der Marke Sisley zuständige Dame. Vergangenes Wochenende, auch an den Tagen zuvor sei es so gut gelaufen. Heute sei das Publikum zwar da, kaufe aber zu wenig.

Also hoch zu den Dessous. Auch zwischen der Reizwäsche viel Luft, und durch das hauchzarte schwarze Nichts, das eine Kundin sich soeben prüfend vor die Brille hält, sieht sie alles Mögliche, dichtgedrängte Käufermassen aber nicht. Selbst oben unterm Dach, bei den Süßwaren, ist die Euphorie gedämpft. Ja, wenn sie an voriges Jahr denke, seufzt wehmütig eine Verkäuferin am Stand des Confiseurs Rud. Läderach. Schon jetzt, fünf Stunden vor Ladenschluss, nehme der Käuferstrom wieder ab, vielleicht stecke dahinter ja die Bankenkrise. Doch es gibt Hoffnung, gleich ein Stockwerk darunter. Ein altgedienter Verkäufer beim Spielzeug findet zwar sofort, von Käufern nicht gerade umringt, Zeit für ein bilanzierendes Gespräch, aber das fällt positiv aus. Doch, er sei sehr zufrieden. Ebbe bei den Parfums ? Das seien klassische Last-Minute-Präsente, das komme schon noch. Zumal Heiligabend diesmal nicht ungünstig auf Montag, sondern auf Mittwoch falle. Zwei Tage mehr Zeit zum Geldausgeben also. So sieht das auch Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelverbandes, der für die heute mit einem verkaufsoffenen Sonntag endende Woche zwar einen leichten Rückgang der Kauflust und auch für den Sonnabend nur eine „gute Frequenz“, aber keine überbordende Kauflust sieht. Doch gerade dem vierten Advent komme diesmal wegen des günstig gelegenen Heiligabends besondere Bedeutung zu. Kurz: Abgerechnet wird zum Schluss. ac

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben