Berlin : Älter als der Trainer

Nach sieben Jahren spielt Marco Rentzsch wieder für die Capitals

Ingo Schmidt-Tychsen

Marco Rentzsch plaudert gerne. Eigentlich über alles. Nur über sein Alter nicht. Mit 37 Jahren ist Rentzsch der älteste Spieler beim Eishockey-Oberligisten Berlin Capitals. Er ist sogar ein Jahr älter als sein Trainer Andreas Brockmann. Doch gerade wegen seines Alters hat man den gebürtigen Berliner zurückgeholt. „Mit seiner Erfahrung ist Marco in der Lage, das Team zu führen“, sagt Brockmann. Die junge Mannschaft scheint gewillt, sich vom erfahrenen Verteidiger zeigen zu lassen, wo es langgeht: Rentzsch wurde zum Kapitän gewählt.

Mit zehn Jahren hat der in Moabit geborene und in Wedding aufgewachsene Rentzsch angefangen, Eishockey zu spielen: „Weil meine Mutter mir Karate verboten hat.“ Das war beim BFC Preussen. Später wurde aus dem BFC der BSC Preussen. Dort erhielt Rentzsch 1984 seinen ersten Profivertrag. 13 Jahre hielt er dem Verein die Treue.

In dieser Zeit gelang den Berlinern fünfmal der Einzug ins Halbfinale der deutschen Meisterschaft. „Das waren die größten Erfolge meiner Karriere“, sagt Rentzsch rückblickend. Nach einem Zerwürfnis mit dem damaligen Trainer Peter Ustorf wechselte er zum einstigen Erstligisten Ratinger Löwen. Von da zog es Rentzsch ins ruhige Bad Nauheim, wo er in der zweiten Liga viel Spielzeit bekam. Dort waren die Dinge „wesentlich unkomplizierter“. Als ein Sportlehrer an der Grundschule seiner Tochter erkrankte, sprang Rentzsch nach kurzem Gespräch mit der Schulleitung spontan ein und übernahm den Unterricht für ein paar Wochen. „So etwas wäre in Berlin undenkbar“, meint er. Der Familienmensch genoss die Idylle in der hessischen Kleinstadt fünf Jahre lang.

Dann überredete ihn Lorenz Funk, Präsident der Capitals, zur Rückkehr in seine Heimat. Zwar bekam Rentzsch bei seinem alten Verein nur einen Amateurvertrag, doch die Chancen auf einen Platz zur Ausbildung als Physiotherapeut stehen in Berlin besser als anderswo. Sollte es dennoch nicht mit dem Ausbildungsplatz klappen, „dann brauche ich einen richtigen Vertrag, sonst verschwinde ich“. Das werden die Anhänger der Capitals ungern hören. Marco Rentzsch ist beliebt bei den Fans, er steht beim Eishockey-Drittligisten für bessere Zeiten. Außerdem ist er ein waschechter Berliner. „Die Leute freuen sich, dass da einer ist, mit dem man ganz normal umgehen kann“, sagt er. „Ich bin halt eine Berliner Göre.“

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