Berlin : Ämter-Service: Berlin auf dem letzten Platz

In der Hauptstadt halten die Bürger am wenigsten von ihrer Verwaltung – und auch sonst sind sie unzufrieden

Ingo Bach

Lange Wartezeiten in den Ämtern, kundenunfreundliche Öffnungszeiten und undurchschaubare Verwaltungsvorschriften – die Berliner sind höchst unzufrieden mit ihren Behörden. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage zur Lebensqualität in 97 deutschen Regionen. In punkto Zufriedenheit mit der Verwaltung landete Berlin auf dem letzten Platz. Nur 43 Prozent der Hauptstädter geben ihren Behörden ein „sehr gut“, beim Spitzenreiter Westmittelfranken sind es 77 Prozent. Und bei der Zufriedenheit mit dem Wohnort eroberte Berlin Rang 74, umgeben von der Westpfalz und Oberfranken Ost. Am besten lebt es sich in Osnabrück. Für die Umfrage vom ZDF, dem „stern“, der Unternehmensberatung McKinsey und T-Online wurden bundesweit 356 000 Online-Fragebögen ausgewertet und parallel dazu 2400 Menschen klassisch befragt.

Die Berliner Verwaltungsreformer sind sich des Problems bewusst. „Wir brauchen einen Behörden-TÜV“, sagt Peter Zotl (PDS), Vorsitzender des Ausschusses Verwaltungsreform im Abgeordnetenhaus. „Es mangelt an Anreizen wie an Strafen, um die Verwaltung bürgerfreundlicher zu machen.“ Manche Reformer klagen über das große Beharrungsvermögen in den Behörden. Bei der Deregulierung zum Beispiel. An jeder Verwaltungsvorschrift hängt ein Arbeitsplatz, das heißt, die Motivation, den Regeldschungel zu lichten, ist nicht sehr groß, könnte man dadurch doch am eigenen Stuhl sägen.

Auf der anderen Seite beklagt Zotl das schlechte Image der Verwaltung. „Jeder Berliner hat im Schnitt einmal pro Jahr Kontakt mit der Verwaltung.“ Spiegele die Umfrage also tatsächlich die eigenen schlechten Erfahrungen der Befragten wieder oder wirkt hier nur der jahrealte miese Ruf der Berliner Verwaltung nach?

Denn eigentlich tut sich was in der Hauptstadt, zum Beispiel bei den Öffnungszeiten der Bürgerämter. Vor zwei Jahren hatte nicht einmal die Hälfte aller 22 Ämter wenigstens 30 Stunden in der Woche geöffnet. Jetzt seien es fast alle, sagt Verwaltungsreformer Zotl. Bis Ende 2003 sollen die Ämter in allen Bezirken zweimal pro Woche Spätsprechstunden nach 18 Uhr anbieten, am Dienstag und am Donnerstag. Bisher ist dies oft nur dienstags der Fall. Und schließlich soll die Möglichkeit geschaffen werden, Amtsgeschäfte per Internet zu erledigen. „Wir arbeiten bereits an einem einheitlichen Online-Auftritt aller Verwaltungen“, sagt die für die Verwaltungsreform zuständige Finanzstaatssekretärin Gabriele Pöschl-Westphal. Und für das Modellkonzept der mobilen Bürgerdienste, „bei dem der Beamte mit dem Laptop zum Kunden kommt“, habe Berlin gerade einen Preis bekommen.

„Im Vergleich zu Kreisstädten sei es in Berlin nun mal schwieriger, die Verwaltung umzukrempeln, sagt Pöschl-Westphal. Aber gerade das Großstädtische mache auch die Lebensqualität in Berlin aus. Und bei der nächsten Umfrage stehe Berlin etwas weiter oben.

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