Ämterstreit : Behörden lassen Trümmer am Ostkreuz liegen

"Wir sind nicht verantwortlich": Am maroden Ostkreuz streiten sich die Ämter seit Wochen um die Beseitigung einer eingestürzten Mauer. Doch auf Fahrgäste kommen während der Sanierung des S-Bahnhofs noch härtere Prüfungen zu.

Klaus Kurpjuweit
Ostkreuz
Baustelle Ostkreuz. Beim Umbau bleibt kaum ein Stein auf dem anderen. -Foto: Mike Wolff

Noch stürzt das marode Ostkreuz nicht ein. Wenn Mauern zusammenfallen, muss nachgeholfen werden. Danach beginnt dann aber das Berliner Durcheinander. Und so bleiben Trümmer wochenlang einfach auf einer Treppe liegen und verengen Passanten den Weg.
Bereits im Januar ist ein Unbekannter mit seinem Fahrzeug auf der Kynaststraßenbrücke vermutlich beim Wenden gegen eine Backsteinmauer gefahren, die dann auf die Treppe stürzte, die von der Kynaststraße zur darunterliegenden Hauptstraße führt. Passiert ist seither nichts mehr.

Die Bahn, die derzeit den benachbarten Bahnhof Ostkreuz saniert, hat den Mauereinsturz nach Angaben eines Sprechers dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg mitgeteilt. Dort verweist man auf die Zuständigkeit des Bezirksamts Lichtenberg. Die Bezirksgrenze liege auf der Kynaststraße, die Treppe jedoch befinde sich auf Lichtenberger Gebiet. Dort wiederum meint man, das gesamte Gelände gehöre der Bahn und deshalb müsse diese die Trümmer beseitigen, was der Bahnsprecher auf Anfrage erneut zurückwies. Zuständig sei das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg…

Spätestens im Sommer werden die Trümmer aber verschwinden, selbst wenn sich bis dahin die Zuständigkeit immer noch nicht geklärt haben sollte. Dann lässt der Senat die Kynaststraßenbrücke samt der Treppenanlage abreißen, die dem Umbau des Ostkreuzes weichen müssen. Weiter östlich entsteht anschließend eine neue Brücke für die Kynaststraße – auf Wunsch des Senats so schmal wie die alte, so dass sich dort Fußgänger und Radfahrer einen fünf Meter breiten Streifen in beiden Richtungen teilen müssen. Ob auch dort eines Tages wochenlang Trümmer einer Wand liegen werden, wird sich zeigen.

Denn am Ostkreuz bleibt kaum ein Stein auf dem anderen. Für 411 Millionen Euro baut die Bahn die gesamte Anlage um; die Bauarbeiten sollen sich bis 2014/15 hinziehen. Noch in diesem Februar soll die provisorische Fußgängerbrücke, die die unteren Bahnsteige mit der Haupt- und der Sonntagstraße verbindet, eröffnet werden. Die denkmalgeschützte alte Anlage wird abgetragen, saniert und dann wieder in der bisherigen Art aufgebaut.

Damit ändert sich hier für die Fahrgäste nicht viel. Sie haben es sogar besser als heute, weil die Behelfsbrücke vollständig überdacht sein wird. Anders wird es Ende 2009 aussehen, wenn die S-Bahn auf dem Ring vorübergehend am neu zu bauenden Bahnsteig für Regionalzüge halten wird. Weil dann die alte Ringbahnbrücke abgerissen wird, verlängern sich für voraussichtlich drei Monate die Umsteigewege von der Ringbahn zu den Bahnsteigen des Ost-West-Verkehrs, weil es keine direkte Verbindung zwischen den Bahnsteigen geben wird. Der Weg wird – planmäßig – durch die Abrisstrümmer der alten Brücke versperrt. Umsteigende Fahrgäste müssen vom Ring erst treppab gehen, dann die Straße entlang zur provisorischen Fußgängerbrücke laufen, diese erklimmen, um dann wieder zu den Ost-West-Bahnsteigen hinabzusteigen.

So umständlich müssen vorübergehend auch die Fahrgäste der S-Bahn umsteigen, die aus dem Zentrum zum Flughafen Schönefeld fahren wollen – selbst nach dessen Eröffnung. Denn von 2009 bis voraussichtlich 2013 wird es keine direkte Verbindung geben, weil auch die erforderliche Verbindungskurve von den Ost-West-Gleisen zum Ring abgerissen und neu gebaut wird. Die Regionalbahnen fahren dagegen weiter umsteigefrei zum Flughafen.

Umständlich werden auch die Fahrten mit der S-Bahn von und nach Erkner. Mehrere Jahre beginnen und enden die Züge bereits im Bahnhof Ostkreuz. Umsteigen ist dann auch hier nur über Treppen möglich. Trümmer sollen hier immerhin dabei nicht im Weg liegen.

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