Berlin : Ämterwahnsinn bremst Modernisierung: Schulcomputer vergammeln beim Hausmeister

Susanne Vieth-Entus

Nicht immer scheitert der schulische Anschluss ans Computerzeitalter an fehlenden Geräten oder schlecht fortgebildeten Lehrern: Mitunter ist es auch der ganz normale Ämterwahnsinn, der Schulen von der Technik abschneidet. Jüngstes Beispiel ist die Tempelhofer Carl-Zeiss-Gesamtschule. Hier stehen im Hausmeisterraum seit einem halben Jahr nagelneue Pentium-Rechner herum, weil sie nicht verkabelt werden konnten. Nun will Alcatel als Sponsor einspringen.

Die Geschichte begann recht vielversprechend Ende des vergangenen Jahres damit, dass die Zeiss-Schule vom Schulamt Geld für neue Computer bekam. Angeschafft wurden fünf Pentium-Rechner, die den Grundstock für den geplanten Multimediaraum bilden sollten. Bereits am 11. Januar kamen Bezirksamtsvertreter zur Ortsbesichtigung, um die Kosten für die Herrichtung des Raumes und die Verkabelung festzustellen. Sie wiesen gleich auf die Haushaltssperre hin, die bis Ende April größere Ausgaben verbiete.

Aber auch dann tat sich nichts. "Ich habe mehrmals ergebnislos nachgefragt, dann war der zuständige Mitarbeiter des Elektroamtes im Urlaub, nicht einmal eine Kalkulation bekamen wir auf den Tisch", erinnert sich Hans-Joachim Rohde, pädagischer Koordinator der Schule. Erst nach einem weiteren Ortstermin am 30. Mai habe das Elektroamt mitgeteilt, dass kein Geld da sei. Die Schule solle sich an das Schulamt wenden.

So kam Volksbildungsstadtrat Ekkehard Band (SPD) ins Spiel, dessen Amt sich die Kosten von rund 20 000 Mark mit der Berliner Zweigniederlassung der Alcatel SEL AG teilen will. Zum neuen Schuljahr soll der neue Multimediaraum nutzbar sein.

"Dann ist allerdings schon ein großer Teil der dreijährigen Garantiezeit für die insgesamt 7500 Mark teuren Geräte abgelaufen", ärgert sich Rohde. Für ihn konterkariert der Vorgang die Bemühungen der Schulen um technische Aufrüstung und widerlegt zugleich die Behauptungen, wonach die fortbildungsmüden Lehrer schuld an den Defiziten seien. Viele Schulen, die in Alt- oder Containerbauten untergebracht seien, brauchten aufwändige Umbauten und Diebstahlsicherungen, um die Computer installieren zu können. Wenn sie dann zwischen die Mühlen von Elektro-, Hochbau- und Schulamt kämen, gehe kostbare Zeit verloren. "Verwaltung pur", resümiert Rohde, der sich manchmal an ein "Irrenhaus" erinnert fühlt.

Der Informations- und Kommunikationsbeauftragte im Tempelhofer Schulamt, Peter Röhricht, weist die Kritik zurück. Eine Schule müsse eben einen geeigneten Raum haben, bevor sie Computer anschaffe. Rohde, der 740 Schüler auf die Zukunft vorbereitet muss, wehrt sich: "Dann wäre das Geld verloren gewesen, weil das Haushaltsjahr zu Ende war".

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