Berlin : Äpfel statt Pommes

Das OSZ Handel will seinen Schülern jetzt gesunde Ernährung nahebringen

„Eigentlich wollte ich jetzt zu McDonald’s gehen“, sagt Güven. Der Schüler des Oberstufenzentrums (OSZ) Handel in Kreuzberg beißt kräftig in einen Apfel. Dann überlegt er kurz, zupft sich seine Jacke zurecht und läuft dennoch über die Wrangelstraße direkt auf die Filiale der Burgerbraterei zu.

Dass er überhaupt in den Apfel biss, werteten die Schülervertretung und die Mensa des OSZ aber schon als einen Teilerfolg. Gemeinsam mit der Parlamentarischen Staatssekretärin im Bundesministerium für Gesundheit, Marion Caspers-Merk, und der Bundestagsabgeordneten Mechthild Rawert (beide SPD), verteilten sie am Montag 500 Bioäpfel an die Schüler. Damit wollten sie auf die Bedeutung gesunder Ernährung aufmerksam machen.

Auslöser für die Aktion war die Eröffnung der McDonald’s-Filiale auf der gegenüberliegenden Straßenseite im vergangenen September. Seitdem seien die Umsätze der Mensa um etwa 27 Prozent zurückgegangen, klagt Pächter Sven Mahlstroem. Schuld daran hätten allerdings auch die Discounter Lidl und Plus, die das OSZ flankieren und in seinen 6 500 Schülern dankbare Kunden gefunden hätten. Darauf reagierte die Mensa. Seit kurzem ist sie auch für Gäste aus den umliegenden Firmen geöffnet. Auf der Speisekarte stehen Salate und ausgewogene Mahlzeiten. Außerdem wird das Essen zu 60 Prozent aus Bio-Produkten hergestellt. „Wir versuchen gemeinsam die Schüler an gesundes Essen heran zu führen“, sagte Alexander Freier von der Schülervertretung. Deswegen drängt er darauf, das Thema „Gesunde Ernährung“ auch im Unterricht zu behandeln. „So eine Aktion von innen, ist der einzige Weg, zu Erfolgen zu kommen“, glaubt auch Rawert.

Ein Blick in die Mensa zeigt aber, dass dafür ein langer Atem nötig sein wird. Auch hier verkauft sich Fast Food am besten. Die meisten Schüler kommen mit Pommestüten in der Hand von der Essensausgabe, falls sie nicht gleich zur Fast Food-Kette gegangen sind. Im Sinne der Schule sei der neue Nachbar nicht, sagt Schulleiter Martin Stern. Ein Gutes habe er aber: „Seitdem Mc Donald’s die ganze Straße beleuchtet, haben wir keine Graffiti mehr.“ mj

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