Berlin : Ärger am Spreedreieck

Gestiegene Kosten und ein Jahr Bauverzögerung – der Bauherr verlangt vom Senat Entschädigung

Matthias Oloew
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Noch eine Klage wegen des sogenannten Spreedreiecks: Der Bauherr eines gläsernen Büro- und Geschäftshauses am Bahnhof Friedrichstraße verlangt vom Senat eine hohe Entschädigung für gestiegene Kosten und eine Bauverzögerung von einem Jahr. Als Grund dafür gibt er die Auflage der Stadtentwicklungsverwaltung an, den auf dem Grundstück stehenden denkmalgeschützten Tränenpalast stehen zu lassen. „Wir mussten gigantische Umplanungen vornehmen“, sagt der Bauherr Harm Müller-Spreer. Manuela Damianakis, Sprecherin der Stadtentwicklungsverwaltung, bestätigte die Klage gegen ihre Behörde: „Zu einem laufenden Verfahren nehmen wir nicht Stellung.“

Die skandalträchtige Geschichte des Spreedreiecks geht damit in die nächste Runde. Angefangen hatte alles vor einigen Jahren, als der Senat dem Bauherrn Teile des Grundstücks verkauft hatte, die ihm gar nicht gehörten. Um eine millionenschwere Schadensersatzklage zu verhindern, überließ das Land dem Investor andere benachbarte Grundstücke kostenlos und zahlte obendrein noch eine Entschädigung. Im Streit um die Erhaltung des Tränenpalasts, den Müller-Spreer zwischenzeitlich ebenfalls erwarb, unterlag der Bauherr jedoch und musste die ehemalige Grenzabfertigungshalle stehen lassen. Das führte jedoch zu Veränderungen bei der Planung für die Anlieferung und die Tiefgarage. Diese Kosten will er nun vom Land erstattet sehen.

Auch um das Gebäude selbst ringen Senat und Bauherr seit Jahren. Müller-Spreer möchte zwölf Geschosse bauen, Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) blieb jedoch bei zehn Geschossen. Der Bauherr will sich aber noch nicht geschlagen geben.

Zurzeit prägen zahlreiche Aussteifungsrohre das Bild der Baustelle. Diese dicken Rohre halten die Schlitzwand, die 30 Meter tief in den Boden hineingerammt wurde, um die benachbarten Gebäude nicht zu gefährden. Derzeit wird der Boden ausgehoben, um Platz für die drei Kellergeschosse zu schaffen, in die die Tiefgarage hinein soll. Ist der Keller fertig und die Bodenplatte darauf, soll alles sehr schnell gehen: „Jedes Geschoss soll in sechs bis acht Tagen im Rohbau stehen“, sagt Müller-Spreer.

Demnach wäre Richtfest im kommenden Juni, der wichtigste Mieter Ernst & Young könnte im Dezember 2008 einziehen. Mit 440 Mitarbeitern will die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft rund 10 000 Quadratmeter in dem 100-Millionen-Euro Neubau belegen – etwas mehr als 50 Prozent der gesamten Fläche. Für zehn Jahre hat Ernst & Young unterschrieben. Zwei weitere Büromieter haben ebenfalls schon unterschrieben, so Müller-Spreer. Namen will er nicht nennen, die Büroflächen seien damit aber fast vollständig weg.

Auf der anderen Seite der Friedrichstraße, neben dem Admiralspalast, könnte sich nach jahrelangem Stillstand auch etwas bewegen. Die Hamburger Projektentwicklungsgesellschaft Ludger Inhalt (Lip) hat im Oktober einen Bauantrag für einen Hotel- und Gewerbeneubau entlang der Stadtbahntrasse beim Bezirksamt Mitte eingereicht. Die Pläne dazu stammen vom Büro Tchoban/Voss. Angaben zum Baubeginn wollen die Bauherren noch nicht machen. Streit gab es bisher jedenfalls schon um die zulässige Höhe auf dem Grundstück. Der Liegenschaftsfonds, der das Areal verkaufte, hatte eine Gebäudehöhe durchgedrückt, die sich an dem Neubau für die Bibliothek der Humboldt-Universität orientiert. Damit würde der Neubau aber den denkmalgeschützten Admiralspalast um einige Geschosse überragen.

Die Pläne für das Gebrüder-Grimm- Zentrum genannte Gebäude, in dem die HU-Bibliothek im August 2009 einziehen soll, stammen vom Büro Max Dudler. Bisher seien die Bauarbeiten im Zeitplan, erklärt Sprecherin Manuela Damianakis: „Im Juni soll der Rohbau fertig sein.“ Der Neubau war nötig geworden, weil die HU-Bibliothek aus ihrem Interimsquartier in der Staatsbibliothek ausziehen musste. Matthias Oloew

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