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Ärger mit der GEZ : Hostels wehren sich gegen Gebühren für fernsehfreie Zone

29.07.2012 14:15 Uhrvon
Schlafen statt glotzen. In den Hostelzimmern stehen zwar in der Regel mehrere Betten, einen TV-Apparat sucht man aber oft vergebens. Die Gäste in Low-Budget-Unterkünften haben besseres zu tun, als vor dem Fernseher zu sitzen.Bild vergrößern
Schlafen statt glotzen. In den Hostelzimmern stehen zwar in der Regel mehrere Betten, einen TV-Apparat sucht man aber oft vergebens. Die Gäste in Low-Budget-Unterkünften haben... - Foto: picture alliance / dpa

Berlins Backpacker-Hostels haben in den meisten Zimmern keine Radios und TV-Geräte, dennoch sollen sie künftig zahlen. Der Protest der Herbergen offenbart die Schwächen der GEZ-Reform.

„Keine Radios, kein einziger Fernseher in den Gästekabinen – und trotzdem sollen wir für mehr als 40 TV- und Rundfunkgeräte zahlen!“ Edgar Schmidt von Groeling steht an der Reling seines Hostelschiffes „Eastern Comfort“ an der Oberbaumbrücke und ärgert sich über die künftigen GEZ-Gebühren. Bis zu 4000 Euro jährlich wird die Gebühreneinzugszentrale der öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und TV-Anstalten (GEZ) voraussichtlich ab Januar 2013 von ihm kassieren. „Für welche Gegenleistung? Keine“, sagt Groeling. Eine „absurde Gebührenpraxis“, gegen die der 50-Jährige nun gemeinsam mit zahlreichen anderen Berliner Hostelinhabern zu Felde zieht.

Etliche gehören dem deutschlandweiten Hostelverband „Backpacker Networks e.V.“ an, der die GEZ gleichfalls frontal angeht.

Von „dreistem Diebstahl, legalisiert vom Gesetzgeber“, ist in dessen Erklärungen die Rede. Der Grund für den heftigen Streit sind die geänderten Einzugskriterien. Denn ab Januar 2013 werden die Gebühren nicht mehr pro angemeldetem Gerät erhoben, sondern pauschal pro Haushalt oder Hotel/Hostelzimmer – egal, ob dort überhaupt keine Geräte oder ganz viele Empfänger in Betrieb sind. Private Haushalte ohne TV haben dadurch einen kleinen, aber meist verkraftbaren finanziellen Nachteil. Trotz ihrer Abstinenz müssen auch sie die künftige Monatspauschalgebühr von 17,98 Euro überweisen. Der Unmut ist hier aber eher gering.

Anders bei den Hostels, die allein in Berlin bereits mehr als 20 000 Gästebetten in Ein-, Zwei- und Mehrbettzimmern anbieten. Denn in der Regel sind sie TV-freie Zonen: Es gibt in nahezu keinem Zimmer TV- und Radiogeräte. Meist stehen nur zwei oder drei Empfänger zum Ausleihen an der Rezeption. „Die große Mehrheit unserer Gäste sind junge Touristen. Die wollen das Abenteuer Berlin erleben und sich nicht vor die Glotze hängen“, sagt der Chef des „East Seven“-Hostels an der Schwedter Straße in Prenzlauer Berg, Jörg Schöpfel. TV-Entertainment sei kaum gefragt. „Zumal bis zu 80 Prozent der Gäste aus dem Ausland kommen und den deutschen Programmen oft gar nicht folgen können.“

Nach der alten Regelung zahlen Privatleute schon für einen Fernseher oder ein TV-Gerät- und Radio zusammen monatlich 17,98 Euro, also den selben Betrag wie die künftige Pauschalsumme. Hotels und Hostels sind etwas günstiger dran. Kleineren Herbergen wird nur die Hälfte dieser Gebühr berechnet, das sind 8,99 Euro; gibt es mehr als 50 Zimmer sind 75 Prozent des Betrages fällig. Für die Hotels, in denen TV und Radio auf den Zimmern zum Standard gehören, sieht die Zukunft nun im Gegensatz zu den Hostels rosig aus. Ab 2013 wird ihnen für jedes Zimmer nur ein Drittel des Pauschalbetrages von 17,98 Euro berechnet – also 5,99 Euro. Dadurch sparen sie erheblich.

Die Backpacker-Häuser bekommen zwar auch diesen Rabatt, aber ihre Abzüge „für nichts und wieder nichts“ addieren sich dennoch zu einigen tausend Euro im Jahr, hat Edgar Schmidt von Groeling auf der „Eastern Comfort“ ausgerechnet. Die Hostelbetreiber erwägen nun rechtliche Schritte. Und mehrere sind am Freitag spontan aus dem Hotel- und Gaststättenverband Berlin (Dehoga) ausgetreten. Dieser begrüße die GEZ-Reform wegen der Vorteile für die Hotels, ignoriere aber die Hostelinteressen, heißt es. Dehoga-Chef Thomas Lengfelder zeigte am Sonntag auf Anfrage allerdings Verständnis. „Die Backpacker-Herbergen sind tatsächlich benachteiligt.“ Die GEZ war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

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