Berlin : Ärger nach dem Verkauf

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Die Bahn AG verscherbelt ihre S-Bahnhöfe, und die S-Bahn muss anschließend sehen, wie sie damit klarkommt. Und die Fahrgäste auch. Unklar ist immer noch die Zukunft des Bahnhofes Mexikoplatz in Zehlendorf. Nach dem Verkauf gab es sogar Spekulationen, der neue Eigentümer wolle die Halle für das Publikum sperren, um sie renditeträchtiger vermarkten zu können. Am Bahnhof Humboldthain in Wedding können die Fahrgäste zwar die verkaufte Empfangshalle passieren, in welchem Zustand diese aber sein wird, ist ungewiss.

Die S-Bahn, die vor einem Jahr 136 der insgesamt 163 S-Bahnhöfe unter ihre Fittiche genommen hat, saniert am Humboldthain jetzt den Verbindungsgang von der Halle zum Bahnsteig. Um auch die heruntergekommene Halle zu erneuern, muss sich die S-Bahn mit dem neuen Eigentümer abstimmen. Dass er sich an der Sanierung beteiligt, sei in dem Kaufvertrag der Bahn nicht festgelegt worden, sagte gestern Gerd Jacob, der Leiter des Infrastrukturmanagements der S-Bahn. Mit dem Eigentümer finden derzeit Gespräche statt. Die S-Bahn, die die Fliesen und die Beleuchtung erneuert, will mit ihren Arbeiten im September fertig sein.

Ärger gibt es aber nicht nur mit verschiedenen Eigentümern. Am Bahnhof Hohen Neuendorf nördlich von Berlin leidet die S-Bahn unter einem besonders starken Vandalismus. Die Anlage werde nicht nur beschmiert, sagte Jacob. Sogar Stahltüren und eine Zwischendecke seien herausgerissen worden. Hilfe erhofft sich die Bahn von der Kommune, doch diese fühlt sich nicht zuständig. Die Station wird jetzt für fast 300 000 Mark auf Vordermann gebracht. "Doch für wie lange?", fragt Jacob. Ernsthaft habe man erwogen, den Bahnhof einfach im ramponierten Zustand zu belassen.

Doch die Bahn wolle ihre Stationen zu Visitenkarten ausbauen, sagte Bahnhofsmanager Wolfgang Borsch. Die S-Bahn erhält von der Bahn für die 136 übernommenen Stationen jährlich 14,2 Millionen Mark. Allein für die Reinigung und für das Entfernen von Schmierereien gibt sie davon 4,6 Millionen Mark aus. Tendenz steigend.

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