Berlin : Ärger um Carmen: Seebühnen-Streit wird schärfer

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Im Streit um die Seefestspiele hat Stadtentwicklungs-Staatssekretär Christian Gaebler (SPD) gestern die Vorwürfe des Konzertveranstalters Peter Schwenkow entschieden zurückgewiesen. Dieser hatte behauptet, der Politiker habe persönlich die Verschiebung der Bühne im Strandbad Wannsee angeordnet, die zum Verlust von 800 Publikumsplätzen führte. Am Donnerstag hat die Schlöndorff-Inszenierung der Bizet-Oper Carmen Premiere. Mehr als 28 000 Tickets für das Open-Air-Spektakel wurden bereits verkauft. Wegen der Reduzierung der Plätze wird man laut Schwenkow dennoch auch in diesem Jahr einen kräftigen Verlust machen. Deshalb will er mit der Veranstaltung Berlin verlassen und verhandelt für 2013 bereits mit drei Alternativstandorten.

Schwenkows Behauptung, er habe persönlich verboten was im Vorjahr genehmigt worden sei, bezeichnete Gaebler als „erstaunlich“ und eine „Falschdarstellung“. Er habe sich in das Genehmigungsverfahren „nicht eingemischt, weil es keinen Anlass dafür gab“. Schwenkow sei bereits im März gesagt worden, dass die Veranstaltung in gleicher Dimension wie im Vorjahr genehmigt werde. Gleichzeitig habe man ihn darauf hingewiesen, bei eventuellen Veränderungen rechtzeitig Kontakt aufzunehmen.

Im Bauantrag, den seine Wasserbehörde dann Ende Juni über das zuständige Bauamt Steglitz-Zehlendorf erhielt, waren Maße und Standort der Bühne jedoch ohne Rücksprache gegenüber dem Vorjahr verändert worden, so der Staatssekretär. Die geänderten Pläne seien den Behörden seit der Anmeldung der Veranstaltung Mitte Mai bekannt gewesen, sagt dagegen Seefestspiel-Geschäftsführer Norbert Eierding.

Weil die Bühne jetzt sechs Meter ins Wasserschutzgebiet ragen sollte, lehnte die Behörde den Antrag ab. Am 6. Juli wurden die Veranstalter vom Bezirksamt informiert. Sie reichten am 10. Juli neue Pläne ein, denen noch am gleichen Tag zugestimmt wurde. Nur zwei Tage später erteilte der Bezirk die Baugenehmigung.

Bei einem Bühnenbau über die Grenze der Schutzzone hinaus hätte man „mindestens über zusätzliche Schutzmaßnahmen sprechen müssen“, so Gaebler. Von Seiten der Veranstalter habe es jedoch keine Gesprächswünsche gegeben. Deshalb sehe er keinen Grund für die „absurden Behauptungen“ Schwenkows. Dessen Verhalten sei „sehr unseriös“ und zeige, dass er wohl „wirtschaftlich sehr unter Druck stehe“. Rainer W. During

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