Berlin : Ärger um eine ungesehene Ausstellung

Hauptstadtkulturfonds will heute Schau zur Palast-Geschichte beschließen. Senator Flierl verwahrt sich gegen Täuschungs-Vorwurf

Werner van Bebber

Noch ist nicht sicher, ob es eine Ausstellung zum Palast der Republik geben wird, da ist das Vorhaben schon heftig umstritten. Kultursenator Thomas Flierl will bei einer Sitzung des Hauptstadtkulturfonds an diesem Montag ein Projekt der Stiftung Stadtmuseum erläutern. Das allerdings ist schon ins Gerede geraten, bevor es auch nur öffentlich vorgestellt werden konnte. Denn angeblich hat Flierl Kulturstaatsministerin Christina Weiss über Einzelheiten des Ausstellungsvorhaben getäuscht – so jedenfalls meldete es der „Spiegel“ am Sonnabend.

Tatsächlich könnte dem Palast eine ganz interessante Konfrontation mit der eigenen Geschichte bevorstehen. Große Aufregung über ostalgische Verdrehungen der Palasthistorie sind nicht zu erwarten. So sagt es Thomas Beutelschmidt, einer der Kuratoren der Ausstellung. Beutelschmidt hat mit Julia Novak einen Film und 2001 ein Buch über den Palast gemacht. Er ist Politologe und Medienwissenschaftler, geboren in Frankfurt am Main und nicht bereit, wie er sagt, „der Politik willfährig eine Ausstellung hinzustellen“. Anders gesagt: Die Vorab-Aufregung über eine Schau zur Geschichte des Palastes wundert ihn nicht, aber er will seinerseits nicht dazu beitragen, dass der Streit über das Gebäude noch emotionaler wird, als er es schon ist. Ihm und seiner Kollegin Julia Novak gehe es darum, „das Gebäude einzuordnen in seinen historischen Kontext“, sagt Beutelschmidt. Ihm könne „weder an Ostalgie, noch an parteipolitischer Vereinnahmung“ gelegen sein, sagt er. Allerdings wollen die Kuratoren das Gebäude „noch einmal erfahrbar“, seine Funktionen in der DDR und im vereinten Deutschland deutlich machen.

Vom Ansatz der Ausstellungsmacher abgesehen, sprechen offenbar auch die technischen Umstände gegen kitschig-ostalgische Tendenzen in dem Gebäude-Rohling. Strengste Brandschutz- und Sicherheitsbestimmungen verbieten Beutelschmidt zufolge, Gegenstände in größerer Zahl aufzustellen. Realsozialistische Gastlichkeit mit platzierenden Kellnern dürfte in der Schau nicht zu finden sein. Noch ist nicht mal klar, wann sie stattfinden könnte. Denn im laufenden Jahr sind eine Reihe von Palastprojekten geplant. So will Volksbühnen-Chef Frank Castorf im Juni und Juli „Berlin Alexanderplatz“ nach Alfred Döblin im Palast zur Aufführung bringen. Auf die schon geplanten Kunstvorhaben hätten sich die Ausstellungsmacher einzustellen, wenn die Politik der Schau zustimmen sollte.

Womöglich wird sich Kulturstaatsministerin Christina Weiss von Flierl noch einmal erläutern lassen, ob auch die Bundeszentrale für politische Bildung an dem Ausstellungsprojekt beteiligt ist. Darüber hatte es im Zusammenhang mit einem Vorhaben des Hauptstadtkulturfonds schon einmal Streit gegeben – bei der RAF-Ausstellung. Thomas Krüger, Chef der Bundeszentrale, sagte gestern, eine „direkte Beteiligung“ seines Hauses komme nicht infrage – dies tue die Bundeszentrale nie. Allerdings könnte man mit einem Begleitprogramm und eigenen, „konfrontativen Veranstaltungen“, dabei sein. Nichts anderes, so Flierls Sprecher Torsten Wöhlert, habe man gegenüber der Kulturstaatsministerin behauptet.

Ausnahmsweise sind sogar die Kulturpolitikerinnen Alice Ströver (Grüne) und Monika Grütters (CDU) inhaltlich dem Kultursenator nahe: Beide wollen eine Ausstellung zur Palastgeschichte sehen – wenn sie wissenschaftlich fundiert ist.

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