Berlin : Ärzte impfen wieder ohne Vorkasse Ersatzkassen zahlen Medizinern

2,5 Millionen Euro mehr Honorar

Ingo Bach

Der Streit um die Impfhonorare zwischen den Ersatzkrankenkassen und der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) ist beendet. Am Donnerstagabend akzeptierte die Vertreterversammlung der KV das Kompromissangebot der Versicherungen. Damit impfen die Ärzte ab sofort wieder die rund 1,3 Millionen Berliner Versicherten der Ersatzkassen – wie Barmer, Techniker- und Angestelltenkasse – kostenfrei auf Chipkarte. Während des achtwöchigen Impfstreites mussten die Patienten die Impfung bar bezahlen und auch das Serum selbst aus der Apotheke besorgen.

Die Krankenversicherungen hatten noch einmal das Angebot für die Honorierung der Impfleistungen nachgebessert. Zum 1. Januar 2003 steigen die Honorare der Mediziner für den einfachen Grippeschutz von 4,65 Euro laut altem Vertrag auf 6,20 Euro. Die Honorare für die Sechsfach-Kinderschutzimpfung gegen mehrere Krankheiten erhöhen sich stufenweise von 12 Euro ab 1. November 2002 auf schließlich vierzehn Euro ab Januar 2004. Der neue Vertrag hat eine Laufzeit von drei Jahren. Das heißt, eine Wiederholung des Impfstreits, der wochenlang viele Ersatzkassenversicherte verunsicherte, ist bis 2005 nicht zu erwarten. Die AOK Berlin hat die neue Vereinbarung bereits zum 1. Juli 2002 abgeschlossen, allerdings gilt diese nur bis Ende 2003 – dann muss wieder gefeilscht werden. Und für die Betriebskrankenkassen läuft der Impfvertrag Ende diesen Jahres aus. Ärztevertreter haben bereits harte Verhandlungen mit den Betriebskassen angekündigt.

Auf die Ersatzkassen kommen durch den neuen Impfvertrag Mehrausgaben von insgesamt rund 2,5 Millionen Euro bis 2005 zu. Das sind rechnerisch etwa tausend Euro für jeden der rund 2500 impfenden Mediziner in Berlin. „Der Kassenärztlichen Vereinigung ist es gelungen, eine bessere Impfvergütung für die Ärzte auszuhandeln“, sagt der KV-Chef Manfred Richter-Reichhelm.

Die Ersatzkassen haben aus dem Konflikt gelernt und wollen sich nicht mehr nur auf die KV als einzigem Verhandlungspartner verlassen. „Wir werden unsere Verträge mit dem berufsgenossenschaftlichen Impfanbieter BAD und den Krankenhäusern dauerhaft fortführen“, sagt Karl-Heinz Resch, Chef der Berliner Ersatzkassen. Das heißt, auch die Klinikärzte dürfen impfen. Dazu gehört, jedem neuaufgenommenen Kranken eine Auffrischung seines Impfschutzes anbieten zu können. Für die Krankenhäuser ist das ein lukrativer neuer Markt – und für die niedergelassenen Haus- und Kinderärzte eine neue Konkurrenz.

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