Berlin : Ärzte-Streik: Ein Herz für Ärzte

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Ein Ärztehaus in der Kaiser-Wilhelm-Passage an der Hauptstraße (Schöneberg) gestern Vormittag. Die Patienten müssen mit "verkürzten Öffnungszeiten" Vorlieb nehmen: Ein bis zwei Stunden wollen die Praxen am Nachmittag schließen. Es ist Ärztestreik. In den Wartezimmern zeigen die Patienten Verständis. "Hoffentlich bringt das auch was", sagt Else Wege. Nach Meinung der Patientin bekommen Ärzte viel zu niedrige Honorare und müssten viel mehr streiken. "Mein Arzt arbeitet auch länger, wenn es sein muss. Und was bekommt er dafür? Nichts."

Auch Patientin Veronika Wanke - sie arbeitet bei einer privaten Krankenversicherung - toleriert den Streik. "Ich habe großes Verständnis, da die Ärzte nicht nur für sich streiken, sondern auch Positives für die Patienten erreichen wollen. Und die Meisten werden ja auch durch Plakate, die in den Wartezimmern aushängen, über die Ausgangslage des Streiks informiert." Kerstin Eckhardt, die ebenfalls geduldig wartet, hofft, dass durch den Ärztestreik die Gesundheitsreform überdacht wird. Ihrer Meinung nach soll der "ungerechten Verteilung der Medikamente" ein Ende bereitet werden.

Ein Zimmer weiter wartet Karl-Heinz Wildt auf seine Behandlung. Er findet, dass jeder Arbeitende das Recht auf Streik hat. Die Ärzte übten jetzt einfach Druck auf die Krankenkassen aus.

Sein Nachbar im Wartezimmer hat kein Verständnis für die streikenden Mediziner. "Das ist doch ein klarer Druck auf die Patienten, nicht auf die Krankenkassen!" Sein Hausarzt sei morges nicht im Dienst gewesen - "und ich musste mich mit meiner Krankheit zur nächsten Praxis schleppen."

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