Ärzte unter Verdacht : Staatsanwalt ermittelt gegen Vivantes

Klinikkette hatte der Justiz in zwei Selbstanzeigen Verdachtsfälle wegen irregulärer Abrechnungen gemeldet. Es geht um Unregelmäßigkeiten bei der ambulanten Versorgung.

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Auch bei Vivantes wird wegen unrechtmäßiger Abrechnungen ermittelt.
Auch bei Vivantes wird wegen unrechtmäßiger Abrechnungen ermittelt.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den landeseigenen Klinikkonzern Vivantes. Wie zuletzt bei der Schwesternschaft des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) und den privaten Helios-Kliniken soll es falsche Abrechnungen ärztlicher Leistungen gegeben haben. Diesen Verdacht hatte die Klinikspitze um Vivantes-Chef Joachim Bovelet in zwei Selbstanzeigen im Dezember und Januar den Behörden mitgeteilt, sagte Martin Steltner, Sprecher der Staatsanwaltschaft. Vivantes hatte intern Unterlagen prüfen lassen, nachdem 2010 und 2011 DRK- und Helios-Kliniken in Berlin von der Polizei durchsucht worden waren. Im Visier der Behörden sind auch bei Vivantes ambulant tätige Klinikmitarbeiter, die wahrscheinlich in den Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) gearbeitet haben. Die MVZ sind Praxen auf Klinikgelände, mit denen Krankenhäuser im ambulanten Geschäft mitmischen.

Zu Details des Verfahrens äußerte sich Vivantes-Sprecherin Kristina Tschenett nicht. Offenbar sollen Assistenzärzte ambulante Behandlungen vorgenommen haben, was sie nur in der Klinik, nicht aber in den MVZ hätten tun dürfen. Denn im ambulanten Bereich dürfen nur Fachärzte tätig werden, die außerdem der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) ihre Tätigkeiten in der Stammklinik melden müssen. „Wir haben alle Unterlagen an die KV gegeben, die nun prüft, ob und inwiefern Abrechungen falsch sind“, sagte Tschenett. Die KV ist eine Kammer öffentlichen Rechts, die Gelder der Krankenkassen an die MVZ auszahlt. Waren dort nicht alle Mediziner zugelassen, könnte sich die dazugehörige Klinik des Betruges schuldig gemacht haben. Beschuldigte aus anderen Abrechnungsverfahren erklärten am Wochenende, dass die landeseigenen Vivantes-Häuser „mit Samthandschuhen“ angefasst würden. Sie sagten, dass bei Vivantes auch nicht anders abgerechnet worden sei, als in den DRK-Kliniken. Dort kamen nach einer Razzia 2010 drei leitende Mitarbeiter für Wochen in Untersuchungshaft, demnächst müssen sie sich vor Gericht verantworten. Vivantes-Sprecherin Tschenett wies diese Vorwürfe zurück, schließlich habe die Klinikkette von sich aus Staatsanwaltschaft und KV eingeschaltet. Die Staatsanwaltschaft teilte mit, die Ermittlungen bei Vivantes seien noch am Anfang. Rund ein Drittel aller Berliner Patienten lässt sich in einer der neun Vivantes-Kliniken mit insgesamt 13.000 Mitarbeitern versorgen.

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