Berlin : Ärzte versprechen bessere Kontrollen

Franklin-Klinik zieht Konsequenzen aus Fahrstuhl-Drama. Wieder Patient vermisst – aber nur für Stunden

T. Buntrock[J. Hasselmann],L. von Törne

Nach den Fällen zweier verschwundener Patienten in zwei Berliner Kliniken haben die Krankenhäuser erste Konsequenzen gezogen. Unterdessen wurde am Freitag vorübergehend ein weiterer Patient vermisst – diesmal im Jüdischen Krankenhaus. Die Polizei fand den 46-jährigen Polen in der Wohnung von Freunden. Er war mehrere Stunden gesucht worden.

Im Falle des 68-jährigen Rollstuhlfahrers Karlheinz S., der nur durch Zufall nach 80 Stunden aus einem defekten Fahrstuhl des Benjamin-Franklin-Klinikums gesund befreit worden war, gab der Krankenhausbetreiber Charité gestern zu, dass „Fehler passiert sind“. Der Ärztliche Direktor, Ulrich Frei, kündigte Konsequenzen an. So wurde nun eine Dienstanweisung herausgegeben, wonach hilflose Patienten vom Personal überwacht werden sollen. Wie jetzt herauskam, wurde der Patient bis um 14.30 Uhr im Wartebereich von den Schwestern gesehen. Danach machten diese Feierabend – ohne sich um den Patienten zu kümmern. Als der Arzt ihn um 15 Uhr aufrief, war Karlheinz S. nicht mehr da. Zwar wurden Toiletten und Flure nach ihm durchsucht, doch um 17 Uhr notierte der Arzt in der Akte: „Patient zur Untersuchung nicht anwesend.“ Erst als sich gegen 21 Uhr das Pflegeheim von Karlheinz S. meldete, wurde eine Vermisstenanzeige bei der Polizei aufgegeben. „Solche Lücken dürfen nicht mehr entstehen“, sagte Frei.

Der Fahrstuhl, in dem der Patient 80 Stunden gefangen gehalten wurde, war erst wenige Stunden zuvor am Freitag gewartet worden. Es handelt sich hier zwar um ein Modell von 1965, „es entspricht aber den behördlichen Auflagen“, sagte Frei. Allerdings gelang es dem Patienten nicht, den Notrufschalter zu drücken, weil er offenbar aus dem Rollstuhl gefallen war. „Der veraltete Fahrstuhl ist nicht behindertengerecht umgebaut“, gab Frei zu. Bei dieser Art von Aufzug bekommt die Leitwarte des Hauses nur mit, dass ein Fahrstuhl stecken geblieben ist, wenn auch der Alarmknopf gedrückt wird. „Wir werden prüfen, ob wir Mittel haben, um die Fahrstühle umbauen zu lassen“, sagte der Ärztliche Direktor. Zudem werden ab jetzt Wachschützer bei einem abendlichen Rundgang alle Aufzüge überprüfen. Frei stellte aber klar: „Eine hundertprozentige Sicherheit wird man nie haben. Es kommt häufig vor in großen Krankenhäusern, dass Patienten verschwinden.“

Im Falle des demenzkranken 63-jährigen Wolfgang B., der aus seinem Krankenzimmer im Vivantes-Klinikum Neukölln verschwunden und sechs Tage später tot in einem Technikraum der Klinik gefunden wurde, hat der Vivantes-Konzern angekündigt, die Sicherungssysteme in der Klinik zu überprüfen. Das sagte Vivantes-Sprecher Uwe Dolderer. Vorwürfe, die Klinik habe sich möglicherweise als Folge von Personalkürzungen zu wenig um ihren Patienten gekümmert, wies er aber zurück. „Unsere Personaldichte liegt im Bundesschnitt“, sagt er. Auf der Station des verschwundenen Patienten waren zwei Nachtschwestern im Einsatz – „mehr als üblich“. Ein Zusammenhang zwischen Personalknappheit und dem „tragischen Einzelfall“ bestehe nicht. Das sieht auch Gesundheitssenatorin Heidi Knake-Werner (PDS) so.

Der vorübergehend vermisste Janusz T. aus dem Jüdischen Krankenhaus war am Donnerstag stark betrunken von der Rettungsstelle aufgenommen worden. Die Kripo erklärte, Vermisstenfälle in Altenheimen und Kliniken seien Alltag . Wie viele der etwa zehn täglich als vermisst gemeldeten Erwachsenen aus Heimen oder Kliniken stammen, wird nicht erfasst.

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