Ärztehaus in Prenzlauer Berg : Ärzte unter Betrugsverdacht

Das Medizinische Versorgungszentrum Atriomed am Rosa-Luxemburg-Platz darf gesetzlich Versicherte ab sofort nicht mehr behandeln. Abrechnungen sollen gefälscht worden sein.

Udo Badelt

Am schnellsten ist mal wieder das Internet. Auf der Webseite von Atriomed, unter dessen Namen bundesweit fünf Medizinische Versorgungszentren (MVZ) firmieren, findet man zwar die Standorte in Köln, Hamburg, München und Leipzig. Die erst vor rund einem Jahr eröffnete Berliner Adresse in der Torstraße am Rosa-Luxemburg-Platz aber fehlt. Der Berliner Zulassungsausschuss, in dem drei Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) und drei Vertreter der Krankenkassen sitzen, hat dem MVZ schon im November die Zulassung für die gesetzlich versicherten Patienten – nicht für Privatpatienten – entzogen. Nach einer Beschwerde von Atriomed ging die Angelegenheit vor einen speziellen Beschwerdeausschuss, was der KV aber zu lange dauerte. Sie hat das Berliner Sozialgericht angerufen, und das hat jetzt entschieden: Der Beschluss muss aufgrund der Schwere das Falls sofort umgesetzt werden.

Was ist passiert? Die KV überprüft regelmäßig die Abrechnungen der Kassenärzte und hat bei Atriomed Unregelmäßigkeiten festgestellt. „Es handelt sich um eine ganz besonders schwere Verfehlung“, sagt KV-Vorstandsmitglied Burkhard Bratzke, ohne genauer ins Detail gehen zu wollen. Aber offenbar wurde in der Torstraße, wo 16 Fachärzte aus verschiedenen Gebieten praktiziert haben, mit falschen Arztnummern abgerechnet. Das bedeutet: Dort könnten Ärzte praktiziert haben, die keine Zulassung haben.

Bei der Betreiberfirma Health Care Managers GmbH in Köln sieht man die Sache anders: Als einmaliges Versehen, nicht als vorsätzlichen Betrug. „Wir haben einen Fehler bei einer einzigen Abrechnung im vierten Quartal 2008 gemacht“, sagt Sprecher Michael Rauber, „wo wir versehentlich mit einer falschen Nummer abgerechnet haben. Uns deswegen sofort die Zulassung zu entziehen, halten wir nicht für angemessen.“ Die Kassenärztliche Vereinigung behauptet dagegen, dass sie Atriomed seit einem halben Jahr intensiv prüfe und dass es um mehr als um einen einzigen Fall gehe. „Sie können sicher sein, dass wir nicht wegen einer einmaligen Verfehlung so handeln würden“, sagt Bratzke. Allerdings hat die der Berliner KV Medizinische Versorgungszentren in den letzten Jahren bereits mehrfach kritisiert. Das Argument: In MVZ, wo Ärzte nicht selbständig, sondern als Angestellte arbeiten, würden Patienten schlechter behandelt als bei einem niedergelassenen Arzt, da sie bei jedem Besuch von einem anderen Mediziner untersucht würden.

Laut Marcus Howe, Sprecher des Sozialgerichtes, dürfen die 16 bei Atriomed angestellten Ärzte jetzt erst mal keine gesetzlich Versicherten mehr behandeln. „Ihre Zulassung ist an die Zulassung des MVZ gekoppelt“, sagt Howe, „sie bräuchten jetzt eine neue Zulassung, wenn sie mit der KV abrechnen wollen.“ Die Vergabe der Zulassungen wird gesteuert, damit die Ärztedichte in einem bestimmten Gebiet nicht zu hoch wird.

Schockiert zeigt man sich bei der Techniker Krankenkasse. Die TK hat besondere Verträge mit Atriomed abgeschlossen, in deren Rahmen TK-Versicherte – wenn sie zuvor eine Einverständniserklärung unterschrieben haben – wie Privatpatienten behandelt werden. Das heißt, sie bekommen einen Facharzttermin innerhalb von fünf Tagen und warten bei einem festen Termin maximal 30 Minuten. „Unsere Krisenmaschinerie läuft auf Hochtouren“, sagt Heike Weinert, Sprecherin der TK Berlin. 4000 TK-Mitglieder waren bei dem Zentrum in der Torstraße registriert und können direkt informiert werden. Andere stehen möglicherweise vor verschlossenen Türen. Unter der Rufnummer 0800/285 85 80 00 erhalten sie kurzfristig einen Termin bei einem anderen Arzt. Laut Heike Weinert plant die TK jetzt aber nicht, die Verträge mit den anderen Atriomed-Einrichtungen zu lösen.

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