Berlin : Ärzteprotest: Jede zweite Praxis dicht

Medizinerverband: „Notversorgung sicher“

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Berliner Patienten müssen sich am morgigen Mittwoch darauf einstellen, vor verschlossener Praxistür zu stehen. Denn auch die Mediziner der Hauptstadt wollen sich am nationalen Protesttag der Ärzte gegen unzureichende Bezahlung beteiligen, zu dem Berufskollegen aus dem gesamten Bundesgebiet anreisen (siehe auch Seite 3). Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) rechnet mit rund 1000 teilnehmenden Ärzten in der Stadt. „Jede zweite Praxis wird deshalb geschlossen sein“, sagt KV-Sprecherin Annette Kurth. Die Versorgung von Notfallpatienten sei aber gesichert. Dazu seien am Mittwoch 16 Bereitschaftsärzte im Einsatz, doppelt so viele wie üblich. „Wir bitten aber um Verständnis, wenn nicht dringende Termine verschoben werden müssen.“

Die Rettungsstellen der großen Berliner Kliniken, wie Vivantes, Helios oder Charité, erwarten keinen verstärkten Andrang von Patienten, die keinen Arzt finden. Die Erfahrungen der letzten Ärztestreiks zeigten, dass sich die Patienten auf solche Situationen einstellten, heißt es. Und die Notfallversorgung finde natürlich uneingeschränkt statt.

Der Protest richte sich unter anderem gegen die angedrohten Strafen bei Überschreitung der Arzneimittelbudgets, sagt Wolfgang Kreischer, Vorsitzender des Berliner Hausärzteverbandes. Zudem forderten die Mediziner, dass sie für ihre Leistungen auch ein angemessenes Honorar erhalten und nicht wie bisher Punkte, deren Geldwert erst jeweils am Ende eines Jahres feststehe.

Bei dem Protesttag soll es nicht bleiben. Die Mediziner planen weitere Aktionen. Denkbar sei, so Kreischer, dass die Mediziner in einer Februarwoche an zwei Tagen zu Fortbildungen gingen und deshalb ihre Praxen schlössen. „Die Bereitschaft zum Protest ist sehr hoch“, sagt Kreischer. Andere aber fürchten einen ähnlichen Misserfolg wie beim letzten Ärztestreik vor zwei Jahren, als sich in Berlin nur wenige Mediziner am Ausstand beteiligten. „Ärzte sind untereinander nicht so solidarisch wie Arbeiter“, meint ein Berliner Berufsverbandschef. I.B.

Der ärztliche Bereitschaftsdienst der KV ist unter Telefon 310031 erreichbar.

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