Berlin : Ärzteprotest: Zehn Prozent weniger Geld Mediziner streiten mit Kassen und Therapeuten

Ingo Bach

Den 3200 Berliner Fachärzten drohen massive Einkommensverluste, weil die 1600 Psychotherapeuten höhere Honorare bekommen. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) befürchtet dadurch eine Gefährdung der ambulanten medizinischen Versorgung in Berlin, da viele Facharztpraxen diese finanzielle Mehrbelastung nicht überleben würden. Allein für das dritte Quartal 2004 habe die KV acht Millionen Euro von den Fachärzten zu den Psychotherapeuten umverteilen müssen, sagte die Berliner KV-Vorsitzende Angelika Prehn am Dienstag. Das sei ein Einkommensrückgang um zehn Prozent.

Hintergrund ist ein Urteil des Bundessozialgerichts, das vor einem Jahr das Honorar für kassenzugelassene Psychotherapien rückwirkend ab dem Jahr 2000 von 46 Euro auf 64 Euro pro Sitzung heraufsetzte. Den Berliner Psychotherapeuten stehen nun 66 Millionen Euro Nachzahlungen zu. Aus Sicht der KV sollte dieses Geld von den Krankenkassen bezahlt werden, weil diese immer mehr Psychotherapien genehmigten. Dadurch würden mehr Sitzungen denn je abgerechnet.

Die Krankenkassen weisen das zurück. Sie argumentieren, die KV erhalte eine ausreichende Vergütung für alle ärztlichen Leistungen inklusive der Psychotherapien. Das Honorar sei von der KV nur falsch verteilt worden. Aus Sicht der Kassen bekamen die Fachärzte schon in der Vergangenheit zu viel überwiesen. Ähnlich sieht das auch die Psychotherapeutenkammer. Da das Verfahren vor den Sozialgerichten schon seit Jahren laufe, hätte die KV Rückstellungen bilden müssen. Nun soll ein Schiedsverfahren den Streit klären.

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