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AfD-Stadtratskandidat Wolfgang Hebold : Jeder bekommt, was er wählt - auch Berlin-Lichtenberg

Ein Mathematiker, der von drei Hochschulen entlassen wurde, ist Stadtratskandidat für die AfD in Lichtenberg. Dazu ein Kommentar aus unserem Bezirks-Newsletter.

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Das Rathaus Lichtenberg.
Das Rathaus Lichtenberg.Foto: Thilo Rückeis

19 Prozent der Lichtenberger Bürgerinnen und Bürger haben die AfD gewählt, die “Alternative für Deutschland”. Vergangene Woche hat diese Partei ihren Stadtratskandidaten bekanntgegeben. Lange hatte sie sich bedeckt gehalten, wollte ihren Kandidaten nicht öffentlich nennen.

Mit Wolfgang Hebold hat die AfD nun einen adäquaten Kandidaten ausfindig machen können. Ein "umstrittener Kandidat" schreibt Lisa McMinn – oder, wie Hebold es in seinem Blog ausdrückt: “die Verleugnerpresse”.

Drei, ich wiederhole: drei Hochschulen haben ihm gekündigt. In seinen Lehrveranstaltungen soll er gegen Muslime gehetzt haben. Was er unterrichtet hat? Philosophie? Religionslehre? Soziologie? Nein, es war Mathematik. Wie man in diesem Fach gegen Muslime hetzen kann? Die Studenten sollten beispielsweise die Korrelation zwischen dem Anteil der Muslime und der Zahl der genitalverstümmelten Frauen ermitteln. – Hetze mit Zahlen nach der Lehre eines Thilo Sarrazin. Hebold selbst schrieb dem Tagesspiegel, seine beigefügten Zahlen hätten ergeben, dass kein solcher Zusammenhang bestehe. Man fragt sich trotzdem, ob ein solches Beispiel überhaupt notwendig ist, um die Methoden der Statistik zu unterrichten.

Ich habe auch eine Rechenaufgabe: Wie viele Nazis braucht man, um eine Glühbirne zu wechseln? Antwort: Keinen. Niemand braucht Nazis. Eine einfache Aufgabe, wie ich finde. Ebenso einfach ist allerdings auch die Rechnung mit den 19 Prozent und der Demokratie, liebes Lichtenberg. Ein Leser schreibt unter einem Artikel des Tagesspiegels: “Lichtenberg hat bestimmt viel verdient, vielleicht auch die AfD – aber ganz sicher nicht Herrn Hebold.” Nun ja: Jeder bekommt wohl, was er verdient – oder anders: was er gewählt hat. Herrn Hebold könnte übrigens im Bezirksamt das Ressort Schule und Jugend zufallen.

Im Namen dieser 19 Prozent möchte ich Herrn Hebold in der Politik Lichtenbergs schon einmal willkommen heißen, und zwar mit den Worten Georg Christoph Lichtenbergs, dem Philosophen (und Mathematiker), den Herrn Hebold in seinem Blog zu gerne zitiert: “Eine goldene Regel: Man muss die Menschen nicht nach ihren Meinungen beurteilen, sondern nach dem, was diese Meinungen aus ihnen machen.”

"Ja, ich habe auf meinem Blog die Worte Muselmane und Kopftuchmoslem gebraucht. Na und?"

Hebold beschwert sich in seinem Blog “Die Verheerung Europas”, der Tagesspiegel habe einen seiner Kommentare unter einem Artikel über ihn nicht freigeschaltet. Bereits seit 2011 ist er als Kommentator beim Tagesspiegel gesperrt. Wie hier nachgelesen werden kann, hat dies nachvollziehbare Gründe.

Der aktuelle Kommentar ist nun freigeschaltet worden: “Ja, ich habe auf meinem Blog die Worte Muselmane und Kopftuchmoslem gebraucht. Na und? Was am Wort Muselmane ist fremdenfeindlich oder gar rassistisch? Kann mir das mal jemand erklären. Der Begriff Kopftuchmoslem ist spöttelnd gemeint. Und strafrechtlich relevant sind die Begriffe schon gar nicht”, schreibt Herr Hebold.

Nun: Also wenn mich jemand, sagen wir, “Pickelhaubenchrist” nennen würde, wäre dies vielleicht auch nicht strafrechtlich relevant, ich würde dies aber trotzdem nicht begrüßen – auch nicht, wenn es “spöttelnd” gemeint sein sollte. Und ich bin mir sicher, dass unsere muslimischen Mitbürger eine Betitelung wie “Kopftuchmoslem” ebenfalls als Beleidigung auffassen.

Übrigens ermittelt die Berliner Staatsanwaltschaft gegen Herrn Hebold wegen Volksverhetzung.

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