Berlin : Afghanisches Mädchen wird in Berlin operiert

Gesicht der 13-Jährigen ist seit einem Anschlag in Kabul entstellt

Björn Rosen

Wie ihr Präsident Hamid Karsai ist auch die 13-jährige Mawjgul derzeit aus Afghanistan in Berlin zu Besuch. Plastische Chirurgen wollen dem kleinen Mädchen, das bei einem Anschlag in seiner Heimat entstellt wurde, ein neues Gesicht geben. Mawjgul (sprich: „Matschgul“) stammt aus der Hauptstadt Kabul. Sie wird etwa sechs Monate in Deutschland bleiben. Frühestens im August kann die Kleine in ihr Heimatland zurückkehren. Ihre Familie – die Eltern, vier Brüder und eine kleine Schwester – hat Mawjgul dort zurücklassen müssen. Die Kosten ihrer Behandlung im Charlottenburger Klinikum Westend trägt die Organisation Placet, ein Verein deutscher Chirurgen, der Menschen hilft, die durch Krieg und Terror verstümmelt wurden.

Mawjgul leidet unter schweren Verbrennungsnarben. „In der Schule werde ich ständig gehänselt“, erzählte sie ihren deutschen Ärzten. Die 13-Jährige hat keine Nase mehr. Den Mund und das rechte Auge kann sie nicht schließen, weil die Oberlippe mit dem umliegenden Gewebe verwachsen und das rechte Lid vernarbt ist. Vor den Operationen in Deutschland habe sie Angst, ihre Hoffnung auf ein neues Gesicht sei aber größer, sagen die Ärzte.

Mawjgul war noch ein kleines Kind, als Anfang der 90er Jahre ein Magnesiumbrandsatz über dem Haus ihrer Familie abgeworfen wurde – von dem Unglück weiß sie nur durch die Eltern, erinnern kann sie sich nicht. Als 1989 nach jahrelanger Besatzung der letzte sowjetische Soldat das Land verließ, brachen schwere Auseinandersetzungen um die Macht in Afghanistan aus: Präsidenten wurden gestürzt, verfeindete Gruppen der Mudschahedin („Gotteskrieger“) lieferten sich im ganzen Land bewaffnete Kämpfe. In diesen Wirren hat wohl der Anschlag auf Mawjguls Familie stattgefunden.

Die Narben im Gesicht des Mädchens sind so schlimm, dass Mawjgul jetzt zehnmal operiert werden muss. Einmal ist das schon passiert. „Die nächste Operation in wenigen Tagen wird die schwierigste. Dann wollen wir mit Gewebe der Stirn einen Großteil ihrer Nase wiederherstellen“, sagt Dr. Frank Peter von Placet. Die Chirurgen arbeiten ohne Bezahlung. Für Medikamente und Operationsmaterialien benötigt Placet aber noch Spenden. Reisekosten und Unterbringung des afghanischen Mädchens finanzierte der Verein Friedensdorf, der Mawjgul auch an die Chirurgen vermittelte.

Spenden an Placet e.V. an die Kontonummer 2741700000 bei der Berliner Bank (Bankleitzahl 10020000). Mehr Infos: www.placet- berlin.de und www.friedensdorf.de.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben