Berlin : Afrika kommt aus der Gipsstraße

Hervé Tchemeleu lebt in Berlin und verlegt das Afrika-Magazin „Lo’ Nam “ – in deutscher Sprache

André Glasmacher

Wenn Hervé Tchemeleu aus seinem Büro in der Gipsstraße sieht, dann blickt er auf den Kindergarten, den seine zweijährige Tochter Myriam besucht. „Die Kinder dort sind sehr gemischt, und das spiegelt auch die Situation in Deutschland wieder. Jedes vierte Kind hat ja einen Migrationshintergrund“, sagt er. Seine Tochter selbst spricht drei Sprachen: Deutsch, Französisch und Türkisch: Verheiratet ist Tchemeleu nämlich mit einer Deutschtürkin.

Seit März 2005 gibt Hervé Tchemeleu in Berlin das deutsch-afrikanische Magazin Lo´ Nam heraus. Der Name stammt aus der westafrikanischen Sprache Bafang und bedeutet „Sonnenaufgang“. Die Auflage des Magazins beträgt 5000 Exemplare. In Berlin verteilt der 30-Jährige schon mal selbst mit dem Fahrrad die neueste Ausgabe an Kiosken, Bahnhöfen und in den verschiedenen Afroshops. Vom Verkauf des Magazins allein kann er noch nicht leben: „Abends mache ich hier im Rosenthaler Kiez als mobiler Verkäufer für Tageszeitungen die Runde“. Neben Tchemeleu arbeiten etwa zehn freie Journalisten am Magazin mit.

Dass Lo´ Nam stets regelmäßig am letzten Mittwoch des Monats herauskommt, darauf ist Tchemeleu stolz. Der gebürtige Kameruner lebt seit vier Jahren an der Spree und hat an der TU bis zum Vordiplom Medizinische Biotechnologie studiert. „Das will ich auch abschließen, aus Kamerun habe ich schon einen Studienabschluss. Aber gerade ist mir Lo´ Nam wichtiger.“

Etwa 40 000 Berliner gibt es, die entweder afrikanischer Herkunft sind oder einen Elternteil besitzen, der aus Afrika stammt. „Wir wollen einen Beitrag zur Integration leisten, deswegen erscheint Lo´ Nam auf Deutsch. Die Afrikaner sind sprachlich zersplittert, und wir wollen alle ansprechen. Deswegen haben wir uns gegen Englisch oder Französisch entschieden. Außerdem: Jetzt sind sie in Deutschland und sollen die Sprache lernen.“

Das Magazin ist im DIN-A4-Format auf edlem Hochglanzpapier gedruckt. Der Umfang beträgt etwa dreißig Seiten. Thematisch geht es etwa um die Ausbreitung von AIDS in Afrika, aber auch in Europa. Auf dem Cover sieht man ein Pärchen bei trauter Zweisamkeit. Die Hand des Mannes verdeckt die beiden Gesichter, darunter die Frage: WM – eine AIDS-Falle? Daneben gibt es auch ein Feuilleton, Reiseberichte und Nachrichten aus Afrika. Eine Programmseite mit Hinweisen zu Afrikasendungen im Fernsehen und ein deutschlandweiter Veranstaltungskalender spiegeln afrikanisches Leben in Deutschland wieder. Auch die besonderen Probleme der Afrikaner in Deutschland sind Thema. „Wir werden schließlich häufig aufgrund unserer Hautfarbe beschimpft“, weiß Tchemeleu. „Wir wollen aber deutlich machen, dass Afrikaner in Deutschland nicht nur Probleme haben oder ein Problem sind. Die afrikanische Szene ist sehr vielfältig, es gibt in Berlin afrikanische Lebensmittelläden, Friseure, Autogeschäfte und sogar Ärzte. Afrika ist nicht nur Hunger und Krieg, sondern auch viel Lebensfreude.“

Weitere Informationen: www.lonam.de

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