Berlin : AG City: Roulette mit russischen Wertpapieren

Cay Dobberke

Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft City verdächtigen Vorstände der Händlerorganisation, sich persönlich bereichert zu haben. Es geht zum einen um Honorare, die der Vorsitzende Peter Hosemann kassierte, obwohl er sein Amt laut Satzung ehrenamtlich ausübt. Außerdem wurden Mitte der 90er Jahre unter mysteriösen Umständen russische Wertpapiere gekauft. Der Vorstand trifft heute zu einer Sondersitzung zusammen. Voraussichtlich wird eine außerordentliche Versammlung der 160 Vereinsmitglieder einberufen. Hosemann bestreitet, dass es sich um Unregelmäßigkeiten handele.

Zwei AG-City-Mitglieder haben den Vorstand ultimativ aufgefordert, bis Donnerstag Fragen zu beantworten, die "dringend der Aufklärung bedürfen". Das Schreiben stammt vom Stadtrundfahrten-Unternehmer Tommy Erbe und Geschäftsführer Alexander Bütow von der Werbefirma Fubac. Der Brief wurde an alle Mitglieder versandt. Die Geschäftsleute wollen wissen, ob Hosemann für Beratungsdienste gegenüber der AG City und deren Tochterfirma City Dienst GmbH monatlich rund 10 000 Mark von der Tochtergesellschaft erhält. Diese organisiert Veranstaltungen und betrieb bis 1999 drei Parkhäuser. Hosemann sagt, er habe das genannte Honorar vorübergehend von der AG City erhalten. Nach dem Weggang der früheren Geschäftsführerin Manuela Remus-Woelffling im vorigen Jahr habe der Vorstand ihn "auf sechs Monate befristet" als Geschäftsführer angestellt. Die Honorare seien der Unternehmensberatung "Banco" zugeflossen, die ihm gehört.

In dem Brief wird auch nach "hoch risikobelasteten Wertpapieren in sechsstelliger DM-Höhe" gefragt. Diese sollen Mitte der 90er Jahre auf Veranlassung von Vorständen aus dem Vermögen der City Dienst GmbH "in Form von russischen Anleihen" erworben worden sein. Hosemann bestätigte, der damalige AG-City-Geschäftsführer habe mit Wertpapieren spekuliert, "um das Vermögen des Vereins zu mehren". Anders als in einer Frage angedeutet, habe der spätere Verkauf der Papiere keinen Verlust, sondern "insgesamt einen Gewinn" gebracht. Die Details müssten noch geklärt werden.

Das Bezirksamt, das mit der AG gerade den Verein "Pro City West" gründete, wurde bereits von Tommy Erbe informiert. SPD-Finanzstadträtin Monika Thiemen sagte, sie könne die Vorgänge noch nicht beurteilen. Gegebenenfalls müssten Verantwortliche ihre Posten im neuen Verein abgeben.

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