Aids : Safer Sex ist unbekannt

Die Zahl der Aids-Neuinfektionen in Berlin steigt. Vor allem junge Menschen sind gefährdet. Das Gefühl für die Bedrohung durch die Krankheit scheint schleichend nachzulassen.

Udo Badelt

Mindestens ein Mensch pro Tag infiziert sich in Berlin durchschnittlich mit dem HI-Virus. Das ist ein deutlicher Anstieg. Vergangenes Jahr lag die Zahl der Neuinfektionen in der Stadt bei 460 – das kommt fast einer Verdoppelung gegenüber 2002 gleich. Nirgendwo in Deutschland (bundesweit gab es 3000 Neuinfektionen) ist die Inzidenz, also der Wert pro 100 000 Einwohner, höher als in Berlin. Das sagte Kai-Uwe Merkenich, Geschäftsführer der Berliner Aids-Hilfe, am Mittwoch auf der Jahrespressekonferenz des Vereins.

Die Gründe, so vermutet Merkenich, lägen unter anderem darin, dass bei den Menschen das Gefühl für die Bedrohung durch die Krankheit schleichend nachlasse. Vor allem bei Jüngeren gebe es eine Erosion des Schutzverhaltens. „Jede Generation muss die Prävention wieder aufs Neue lernen“, sagte er. Da viele derjenigen, die sich infizieren, Anfang 20 sind, hat die Aids-Hilfe sogenannte Schoolwork-Teams gebildet, um vor allem diese Gruppe anzusprechen.

100 Betroffene sind vergangenes Jahr in Berlin verstorben, 4300 sind es seit Ausbruch der Epidemie in den frühen achtziger Jahren (bundesweit: 27 000). „Aids bleibt unbehandelt eine tödliche Krankheit“, sagte Merkenich, „das Virus kann nicht aus dem Körper entfernt, sondern seine Vermehrung höchstens zum Stillstand gebracht werden.“ HIV Schwerpunktarzt Dietmar Schranz berichtete, dass seit einer Woche verstärkt Patienten nach einer Knochenmarktransplantation fragen würden. Auf diese Weise ist kürzlich bei einem HIV–Infizierten an der Charité die Viruszahl unter die Nachweisbarkeitsgrenze gedrückt worden. „Aber das war ein Sonderfall. Wir sind weit von einer Heilung entfernt“, sagte Schranz.

Zusätzlich seien die Berliner Schwerpunktpraxen gefährdet, da es hier anders als in anderen Bundesländern keine Nachfolgeregelung für die zum 1. Januar 2009 gekündigte HIV-Pauschale gibt. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt, die eine mögliche bundeseinheitliche Vergütung für April angekündigt hat, will zwar keine Lücken bei der Pauschale zulassen. Dennoch gibt es laut Schranz keine Anzeichen dafür, dass sich für die Berliner Ärzte etwas bewegt. Udo Badelt

Am 28. November veranstaltet die Aids-Hilfe ihren traditionellen Lichterzug zum Wittenbergplatz. Start: 18 Uhr, Meinekestraße 12. Welt -Aids-Tag ist am 1. Dezember. Infos: www.berlin-aidshilfe.de und Tel.: 885 64 00.

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