Berlin : Aimée & Jaguar: Hilfe für Lilly Wust

Tanja Buntrock

Berlin 1943. Bombenhagel erschüttert die Stadt. Zu dieser Zeit beginnt sich das Leben der vierfachen Mutter und braven Nazi-Ehefrau Lilly Wust auf ungewohnte Weise zu ändern. Lilly lernt Felice kennen, die als Jüdin im Untergrund lebt. Die beiden verlieben sich. Lilly nimmt Felice in ihrer Wohnung auf und lässt sich von ihrem Ehemann scheiden. Doch das Glück währt nicht lange, Felice wird entdeckt und kommt ins Konzentrationslager.

Der Kinofilm "Aimée & Jaguar" - auf der Berlinale 1999 mit zwei Silbernen Bären für die beiden Hauptdarstellerinnen Juliane Köhler und Maria Schrader prämiert - erzählte diese Geschichte. Ihr trauriges Ende ist vielen Menschen in Erinnerung geblieben, nicht zuletzt deshalb, weil es eine wahre Geschichte ist. Lilly (Elisabeth) Wust ist jetzt 86 Jahre alt und pflegebedürftig. Sie wohnt in einer Ein-Zimmer-Wohnung in Lichterfelde und bekommt nur eine kleine Rente. Bis vor kurzem waren ihre Wohnverhätnisse ärmlich. Der Lions-Club wollte diesem Zustand ein Ende setzen. Zusammen mit der Wohnungsbaugenossenschaft wurde die Wohnung renoviert gestaltet. Ausgestattet ist die Wohnung nun mit einer neuen Küche, neuen Rohren und Elektroleitungen sowie einem altersgerechten Bad.Der Lohn der Handwerker wird von den Firmen übernommen.

Gestern Nachmittag war es für Lilly Wust schließlich soweit: Glücklich thronte sie auf einem Sessel im frisch renovierten Wohnzimmer. "Endlich hat mal jemand etwas versprochen und dann auch Wort gehalten", sagte sie. Trotz Bundesverdienstkreuz und dem israelischen Orden "Gerechte unter den Völkern" hat Lilly Wust von den Publikationen nie materiell, sondern nur ideell profitieren können. "Frau Wust hat nie einen Pfennig gesehen. Sie hat zwar einmalig rund 3 000 Mark für die Geschichte zum Buch erhalten, ansonsten aber nichts", erzählte Lions-Club-Sprecher Hennes Schulz. Auch für die Hilfe, die Lilly Wust den beiden Hauptdarstellerinnen des Films am Set geleistet hat, "bekam Frau Wust außer einer warmen Mahlzeit und den Reisekosten gar nichts". "Ich wollte meiner Freundin ein Denkmal setzen, weil ich sie liebe. Etwas anderes hat mich nicht interessiert. Ich habe das nie kommerziell gesehen", erklärte sie selbst. Während der Renovierungsarbeiten, die Anfang Juli begonnen hatten, nahmen der Lions-Freund Horst Reiher und seine Frau die 86-Jährige bei sich im Privathaus in Schwanebeck auf. "Wir wollten ihr etwas zurückgeben. So wie sie damals ihre Freundin aufgenommen hat, wollten wir etwas für sie tun", erzählt Frau Reiher. Dort sei sie "ein wenig verwöhnt worden" und man habe viel zusammen erzählt. Jetzt ist Lilly Wust froh, wieder daheim zu sein. "Endlich ein neues Bad".

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