Berlin : Airlines sollen Markt entwickeln Senat wirbt für internationale Flüge

Stephan Wiehler

Interkontinentale Flugverbindungen sind für Unternehmen, die global handeln, ein zunehmend wichtiger Standortfaktor. Das weiß auch Christoph Lang, Sprecher der Senatsverwaltung für Wirtschaft. „Besonders Direktflüge nach Asien und in die USA wären dringend wünschenswert“, sei immer wieder von Unternehmen zu hören, die sich in Berlin ansiedeln wollen. Doch so oft der Senat sich für diese Wünsche stark macht, winken die Fluggesellschaften ab. Lang kennt das Argument: „Es gibt nicht genügend Passagiere für die Business Class. Entscheidend für die Entwicklung des Wirtschaftsstandortes sind die Buchungszahlen.“ So lange die Passagiere ausbleiben, wird Berlin auf den Standortvorteil eines interkontinentalen Luftdrehkreuzes warten müssen – und manches Unternehmen überlegt sich zweimal, ob es nach Berlin ziehen soll. „Da beißt sich die Katze in den Schwanz.“

Der Sprecher der Senatswirtschaftsverwaltung wirft den Luftfahrtunternehmen allerdings auch „fehlende Bereitschaft“ vor, den Markt in der Region für sich zu erschließen. Als Beispiel nennt Lang den schnellen Rückzug der Lufthansa vom Nonstopflug Berlin-Washington nach den Terroranschlägen vom 11. September, nur ein halbes Jahr nach Aufnahme des Verbindung. „Die Fluggesellschaften sollten daran denken, dass sie den Markt zu einem guten Teil selbst schaffen können. So schlecht sind die internationalen Beziehungen der Berliner Wirtschaft auch nicht.“ Lang warnte die Airlines davor, für interkontinentale Direktflüge die Fertigstellung des Großflughafens Berlin Brandenburg International (BBI) im Jahr 2008/09 abzuwarten. „Wer 2009 in der Pole Position sein will, muss jetzt beginnen, den Markt dafür zu entwickeln.“ Dazu zähle etwa, günstige Umsteigeverbindungen bereitzustellen.

Für internationale Unternehmen wie den Schallplattenkonzern Universal Music, in dem vor zwei Jahren die Entscheidung fiel, die Zentrale von Hamburg nach Berlin zu verlegen, sind interkontinentale Direktflüge zwar nicht das Entscheidende, doch immerhin ein wichtiger Standortfaktor. Jacob Bilabel, Sprecher von Universal Music, findet deshalb drastische Worte: „Das internationale Flugangebot in Berlin ist einer Haupstadt unwürdig – und seit dem 11. September 2001 ist es noch schlechter geworden.“

Mit diesen Aussichten habe bei der Standort-Entscheidung für Berlin niemand gerechnet. „Wir waren eigentlich davon ausgegangen, dass das Flugangebot besser wird.“ Interkontinentalflüge seien für den Musikkonzern indes nicht allein ausschlaggebend für die Standortwahl gewesen. „Natürlich wollten wir als weltgrößter Musikkonzern dort sein, wo auch politisch die Musik spielt“, erklärt Bilabel, „sonst hätten wir auch direkt am Frankfurter Flughafen bauen können.“

Für die Wahl eines Unternehmensstandortes sei eine Vielzahl von Faktoren entscheidend, sagt auch Markus Berner, Sprecher des Softwarekonzerns SAP. Das Unternehmen mit Sitz im badischen Waldorf – in einer Stunde Entfernung zum internationalen Luftdrehkreuz Frankfurt am Main – baut zurzeit eine neue Berliner Geschäftsstelle in der Rosenthaler Straße. Die Niederlassung soll Vertrieb und Beratung für einen regionalen Kundenkreis leisten und kann deshalb auf internationale Luftanbindung verzichten.

Auch für den US-Konzern General Electric, der sich bei der Standortsuche für sein erstes europäisches Forschungszentrum gegen Berlin und für München entschieden hat, haben die fehlenden internationalen Flugverbindungen in Berlin als Auswahlkriterium jedoch nur eine untergeordnete Rolle gespielt. „Das war definitiv kein entscheidender Faktor“, erklärt Unternehmenssprecher Carsten Barth. Ausschlaggebend für die Standortwahl München sei vielmehr das „optimale Forschungsumfeld“ gewesen.

Einen teilweisen Rückzug aus Berlin erwägt unterdessen der Comic-Konzern Ehapa („Micky Maus“), der erst vor gut einem Jahr einen Großteil seiner Geschäfte nach Berlin verlagert hatte. „Es gibt Szenarien, eine Abteilung abzuziehen“, sagte Unternehmenssprecherin Marion Egenberger. Das habe aber ausschließlich interne Gründe und nichts mit Berlins Fluganbindung zu tun.

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