Berlin : Airlines ziehen nach Tegel

Verlagerung vom Flughafen Tempelhof soll Klagen nach der Schließung verhindern

Klaus Kurpjuweit

Zumindest die größeren Fluggesellschaften, die Tempelhof nach der Aufgabe des Betriebs durch die Flughafengesellschaft (BFG) verlassen müssen, sollen zu vergleichbaren Zeiten Start- und Landerechte in Tegel erhalten. Damit entfiele eine Grundlage für die bereits angekündigten Klagen gegen die Betriebsaufgabe. Sollte ein Umzug nach Tegel ohne wirtschaftliche Nachteile möglich sein, müsse man neu überlegen, ob die Klage aufrecht erhalten werden soll, sagte gestern der Deutschlanddirektor der SN Brussels Airlines, Daniel Noraman.

Brussels Airlines, die Nachfolgerin der Sabena, gehört zu den vier Gesellschaften, denen mit Tempelhof vergleichbare Start- und Landezeiten, so genannte Slots, in Tegel angeboten werden sollen. Die anderen sind nach Angaben von Flughafenchef Dieter Johannsen-Roth Luxair, SAS und Swiss. Auch die anderen Tempelhofer Fluggesellschaften haben parallel zu Tempelhof Slots in Tegel angemeldet. Nur Intersky mit Flügen nach Bern wolle, so Johannsen-Roth, bisher aus dem Berlin-Verkehr aussteigen.

Doch auch wenn es zu einer Klage kommt, ist der Flughafenchef zuversichtlich, am Ende als Gewinner dazustehen. Ob bereits am 30. Oktober Schluss ist, kann vom Oberverwaltungsgericht in einem Eilverfahren bis September entschieden werden. Die Befreiung von der Betriebspflicht, die die Luftfahrtbehörde auf Antrag der Flughafengesellschaft ausgesprochen hat, sei so begründet, dass sie auch „gerichtsfest“ sei, ist Johannsen-Roth überzeugt. Ein Gutachten habe klar ergeben, dass der Flugbetrieb in Tempelhof nicht wirtschaftlich zu machen sei.

Der jährliche Verlust beträgt etwa 15 Millionen Euro. 60 Prozent davon entfielen, so Johannsen-Roth, auf den Flugverkehr. 40 Prozent des Verlustes verursacht der riesige Gebäudekomplex, der nicht voll vermietet ist. Die Flughafengesellschaft will jetzt den Vertrag mit den Eigentümern Bund und Berlin kündigen.

Während die Flughafengesellschaft Tempelhof aufgeben will, wird sie in Schönefeld 10 bis 12 Millionen Euro investieren, um das vorhandene Abfertigungsgebäude erweitern zu können. Damit reiche die Kapazität bis zur geplanten Eröffnung des neuen Flughafens in Schönefeld, so Johannsen-Roth weiter. Und dort befinde man sich „auf einem guten Weg“. Mitte Juli erwartet man den Planfeststellungsbeschluss, im Herbst soll dann ein Finanzierungskonzept für das 1,7 Milliarden-Euro-Projekt vorgelegt werden.

Und für Tempelhof gibt es bereits eine neue Nutzungsidee. Andreas Grunszky will dort sein Congress & Event Center erweitern und einen weiteren Hangar mieten, was bisher an der ungewissen Zukunft des Flughafens gescheitert war. Dann könnten dort auch große Shows wie „Wetten dass..?“ stattfinden, so Grunszky. Und das Rollfeld könnte für Konzerte oder ein Freiluftkino genutzt werden. So würden etwa 100 neue Arbeitsplätze entstehen, verspricht Grunszky.

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