Airport als Veranstaltungsort : Waschen, föhnen, legen im Salon Tempelhof

Haarstylisten trafen sich in den Hangars von Tempelhof. Die Location ist in aller Welt als Veranstaltungsort gefragt.

Annette Kögel
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Im Licht der Öffentlichkeit. Rund 4500 Kreative aus 50 Ländern ließen sich beim "International Trend Vision Award 2009"...Foto: Thilo Rückeis

So etwas haben die drei jungen japanischen Friseurinnen noch nicht gesehen. Da rollt der Zubringerbus in einer weiten Schleife über das diesige Flughafengelände zu den Hangars 2 und 3 – und die Mädels mit den Hochsteckfrisuren filmen mit ihren paillettenbeklebten Handykameras, was nur auf die Chipkarte passt. Dazu sagen sie ständig bewundernd „Oh!“ und „Oi!“. Den rund 4500 Teilnehmern des „Internationalen Trend Vision Award 2009 Berlin“ aus aller Welt wird einer der größten Haarstyling-Events – noch bis Montag in Berlin – auch deswegen in Erinnerung bleiben, weil sich der Veranstalter „Wella Professionals“ dafür das alte Airportgelände ausgesucht hat. „Keine andere europäische Großstadt hat eine solche einzigartige Location, Tempelhof werden wir auch künftig ganz wunderbar vermarkten können“, sagt dazu Christian Tänzler von der Berlin Tourismus Marketing.

Auch die Wella-Fachleute, die weltweit zahlreiche Models, aber auch Prominente wie Nina Hoss, Britta Steffens, Tony Blair, Hillary Swank und Franziska von Almsick frisieren, wollten unbedingt auf den alten Airport. „Die Fotos von der Show im Designerambiente vor historischer Kulisse laufen weltweit“, bestätigt derweil ein Fotograf.

Wie es die Premierennutzer von der Modemesse Bread & Butter mit ihren rund 550 Ausstellern in allen sieben Hangars mit 80 000 Besuchern demonstrierten, so nutzen auch die Macher der Styling-Veranstaltung den Nimbus des alten Flughafens. Da kann man sich in weißen Loungeecken mit Orchideen und Papageienplanzenblüten niederlassen, da haben Bühnenbauer in die denkmalgeschützten alten Wartungshallen mit den quadratischen Bodenplatten lange Catwalks, Akrobatikseile und riesige Beamer-Leinwände gezaubert. In der Branche, die von der Inspiration lebe, müsse man es bei einem solchen Event eben „richtig krachen lassen“, hieß es bei den Veranstaltern. Da biete der Flughafen, zumal eines der größten Gebäude der Welt, einen vortrefflichen Rahmen. Zudem passe die Begrifflichkeit perfekt, sagt Carola Wacker-Meister, Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Veranstalter: „Wir sind im übertragenen Sinne auch ständig auf der Reise, im Aufbruch, hin zu neuen Trends.“

Schon in der Eingangshalle wurden die Gäste mit Turbinengeräuschen und Airportdurchsagen begrüßt. Die besten Barbiere der Welt wurden als „Captains“ und „Stewards“ auf der Bühne präsentiert, Party-Tickets waren als Flugschein designt, und Airport-Anzeigetafeln halfen bei der Orientierung: Die Gäste aus Puerto Rico und Argentinien, Singapur und Neuseeland, Venezuela und Mexiko „bitte zu Gate 4“. Zuletzt buchte Wella gar ein Expo-Gelände, nun Tempelhof – und ein ganzes Ku’damm–Hotel. Nach dem Event bekommt der Eishockeyclub ECC Preussen Juniors Berlin nun seine eigene Eishalle, in Hangar 3. Für die Öffnung des gesamten Flughafenareals „ohne Zaun und Wachschutz“ hatten indes am Sonnabend 450 Menschen demonstriert.

Die verhüllten Friseurinnen aus Saudi Arabien interessierten sich bei der Show indes eher dafür, welche Frisurentrends sie für die Feiern unter Frauen zuhause aus Berlin mitnehmen können – und das Friseurteam rund um Yun Seon Kang aus Korea ließ sich noch schnell mit den so schick uniformierten Wachleuten am „Creativity Check“ fotografieren. Die nicht ganz ernst gemeinte „Sicherheitskontrolle“ schlug gestern bei jedem Kreativen an.Annette Kögel

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