Airport BER : Am Flughafen wird fleißig gebaut - zumindest im Legoland

Grundsteinlegung für einen neuen Hauptstadtflughafen: Im Legoland am Potsdamer Platz entsteht der BER im Maßstab 1:60. Der Baumeister rechnet mit der Eröffnung im Frühjahr 2013 – aber es gibt Unwägbarkeiten, die den Termin gefährden.

von
Ab auf die Baustelle. Weil im Keller des Sony-Centers wenig Platz ist, wird der Flughafen nicht komplett gebaut. Aber wenigstens sieht man hier Arbeiter. Foto: dpa/Stephanie Pilick
Ab auf die Baustelle. Weil im Keller des Sony-Centers wenig Platz ist, wird der Flughafen nicht komplett gebaut. Aber wenigstens...Foto: dpa

Es ist fraglich, ob der Flughafen BER tatsächlich wie geplant im nächsten Frühjahr eröffnet werden kann. Denn der oberste Bauleiter Pascal Lenhard will sich von Oktober bis Januar in Elternzeit verabschieden. Notfalls nehme er sich Arbeit mit nach Hause, sagte er am Sonntag bei der Grundsteinlegung für den künftigen Hauptstadtflughafen. Allerdings besteht die Gefahr, dass sein Sohn Emil kleinere Fassadenteile verschluckt. Auch befürchte er Probleme mit der Statik des Terminals, sagte Lenhard vor Journalisten. Um überhaupt mit der vorhandenen Fläche zurechtzukommen, ist das Flughafenprojekt bereits abgespeckt worden: nur eine Startbahn, weniger als ein Dutzend Fluggastbrücken und Verzicht auf Teile des Terminalgebäudes. Außerdem gibt es nur zwei Flugzeuge.

Es sind nämlich kaum zehn Quadratmeter hinten rechts im Legoland am Potsdamer Platz, auf denen der Modellbauer Lenhard den Flughafen errichten will. Am Sonntagmorgen war Grundsteinlegung für das Großprojekt im Maßstab 1:60, das nur einen Bausteinwurf vom Stadtschloss entfernt hinter dem Bahnhof Jannowitzbrücke entsteht.

Die zu dem Termin eingeladenen Aufsichtsräte Klaus Wowereit und Frank Henkel hatten abgesagt, obwohl Lenhard für Termintreue bekannt ist: Selbst das wesentlich anspruchsvollere Stadtschloss hat er pünktlich zu Beginn dieses Jahres fertiggestellt. Er empfinde seine Arbeit auch nach fünf Jahren noch als Traumjob, sagt der 41-jährige Schwabe und erzählt, dass er sich als Zehnjähriger schon einmal bei dem dänischen Bauklötzchenkonzern beworben habe. Damals sei ihm empfohlen worden, es später noch mal zu versuchen. Mit dem Casting für das 2007 eröffnete „Legoland Discovery Centre“ war es dann soweit.

Eine Kollegin berichtet, dass er „mit leuchtenden Augen wie so ’n Zwölfjähriger“ baue und dabei gelegentlich ans Essen oder die abendliche Schließzeit des Legolandes erinnert werden müsse. Lenhard sagt, seine auf den neonfahlen Keller des Sony-Centers beschränkte berufliche Existenz sei „kein Nachteil“, und die Kollegin fügt hinzu: „Wenn er einmal am Bauen ist, würde er auch eine Superbombenaussicht gar nicht mitbekommen.“ Die Frage, ob er sich für die Elternzeit Arbeit mit nach Hause nehmen dürfe, beantwortet Lenhard mit einem „Jein“, das sich offenbar aus seinem eigenen „Ja“ und dem „Nein“ seiner Frau zusammensetzt. Da er die allerdings im Legoland kennengelernt hat, dürfte sie von Beginn an gewusst haben, worauf sie sich einlässt.

Das Anfang dieses Jahres fertig gewordene Stadtschloss war Lenhards bisher größtes Projekt – nicht nur wegen der fast 400 000 verbauten Steine, sondern auch wegen der barocken Fassade samt Kuppel und den aufwendigen Portalen, die ihm erst nach mehreren Umbauten gefallen habe. „Das Ding habe ich fast zwei Mal gebaut“, sagt er. Die fürs Publikum kaum einsehbaren Innenhöfe hat er laut der Pressesprecherin freiwillig in voller Schönheit abgeliefert. Insgesamt hatte er eineinhalb Jahre mit dem Schloss zu tun.

Der von ihm auf 100 000 Steine und 500 Arbeitsstunden geschätzte Flughafen ist dagegen eher eine Fleißarbeit als eine Herausforderung. Die Proportionen überprüft er anhand von Fotos und eines Computerprogramms von Lego, mit dem sich Modelle simulieren lassen. Das Programm berechne auch, wie viele Steine von welcher Sorte er brauche, sagt Lenhard, aber das könne er auch allein. Er verwendet die gleichen Steine wie Otto Normalbauer, aber er kann sie auch in anderen Farben bestellen. Schwierig am BER-Terminal mit seinen wenigen und von Glasflächen dominierten Wänden seien vor allem die Statik und die Beleuchtung, die das eher farblose Gebäude erst zum Blickfang macht. „Es ist halt ein Flughafen“, sagt Lenhard zu der Optik. Aber nachts finde er das Terminal „schon imposant“. Und die Statikprobleme hat er schon bei anderen Objekten mit etwas Klebstoff lösen können. Sonst könnten größere Bauten nach Fertigstellung gar nicht mehr bewegt werden.

Für eines seiner bisher anspruchsvollsten Werke hält er selbst die Gedächtniskirche, die etwas abseits vom übrigen Berlin unter einer Treppenschräge im Legoländchen steht. Er würde auch gern den Fernsehturm bauen, aber der wäre mit sechs Metern zu hoch für den Keller. Zumal ja unter der Decke auch noch die Brandschutztechnik hängt, deren Bedeutung bei Neubauten angeblich immer mal wieder unterschätzt wird.

4 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben