• Airport-Express: Die Einsparpläne der Bahn gefährden die schnelle Verbindung nach Schönefeld

Berlin : Airport-Express: Die Einsparpläne der Bahn gefährden die schnelle Verbindung nach Schönefeld

Jörn Hasselmann

Die Bahn, das Land und der Bund verhandeln weiter intensiv, wie die zwei Milliarden Mark beim Ausbau des Bahnknotens in Berlin eingespart werden können. "Es steht alles auf dem Prüfstand, was noch nicht begonnen wurde", bestätigte der Sprecher der Bahn-Tochter DB Projekt Knoten Berlin, Michael Baufeld. Möglich sei, Projekte zeitlich zu schieben. Aber auch ein völliger Verzicht auf Vorhaben sei nicht auszuschließen.

Nach Tagesspiegel-Informationen will die Bahn auf den Bau des zukünftigen "Südkreuzes" an Stelle des heutigen S-Bahnhofes Papestraße und auf den Ausbau der Dresdener Bahn innerhalb des Stadtgebietes verzichten. Da diese Bahn durch Lichtenrade eine der beiden südlichen Trassen zum Nord-Süd-Tunnel ist, will die Bahn auch auf zwei der vier Gleise im Tunnel verzichten. Auch die dringend erforderliche Sanierung des S-Bahnhofes Ostkreuz soll verschoben werden. Wie berichtet sind beim Ausbau des Bahnknotens Berlin vor allem am Nord-Süd-Tunnel und am Lehrter Bahnhof erhebliche Mehrkosten entstanden. Der Chefsprecher der Bahn, Dieter Hünerkoch, hatte dem Tagesspiegel bestätigt, dass "die zwei Milliarden Mark in Berlin eingespart werden".

Alle Projekte auf dieser Streichliste erschüttern das Bahnkonzept, dass nach der Wende für Berlin entwickelt wurde. Der Verzicht auf die Dresdener Bahn zwingt vor allem den "Airport Express" zum geplanten Großflughafen Berlin-Brandenburg International auf einen langen Umweg. Dieser sollte auf direktem Wege in 19 Minuten vom Lehrter Bahnhof durch den Nord-Süd-Tunnel auf neuen Fernbahn-Gleisen parallel zur heutigen S-Bahn nach Lichtenrade fahren und dann auf den Außenring abbiegen. Verzichtet die Bahn auf das Projekt, müsste der Airport Express über die Anhalter Bahn durch Teltow bis zum Außenring fahren. Das wäre ein Umweg von etwa 12,5 Kilometer - kostbare Fahrzeit ginge verloren.

Entsetzt über die Pläne, den Ausbau des Ostkreuzes zu verschieben, ist die Deutsche-Bahn-Tochter S-Bahn. Die Station heißt intern spöttisch nur noch "Rostkreuz", Experten befürchten, dass die technische Aufsichtsbehörde die Anlage stilllegen könnte. Dann bräche das S-Bahn-Netz zusammen. Schon zu DDR-Zeiten wollte man die Sanierung beginnen, auch nach der Wende wurde sie Jahr um Jahr hinausgeschoben. "Die S-Bahn muss lauter sagen, dass die Sanierung dringend ist", forderte SPD-Verkehrsexperte Christian Gaebler. Die S-Bahn wollte gestern nicht Stellung nehmen.

Die Industrie- und Handelskammer und der Bauindustrieverband Berlin-Brandenburg kritisierten gestern vor allem den geplanten Verzicht auf die Dresdener Bahn. Der Airport-Express brauche aus Sicht der IHK eine extrem schnelle Stadtanbindung. Eine Führung der Züge über die "Anhalter Bahn" sei wegen der damit verbundenen Fahrzeitverlängerung "nicht akzeptabel". "Schönefeld verkommt so zum Provinzflughafen, hieß es in einer Mitteilung des Bauindustrieverbandes. Der grüne Verkehrsexperte Michael Cramer forderte gestern, auf die Teltowkanal-Autobahn zu verzichten, um so eine Milliarde Mark zu sparen.

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