Berlin : Akademie der Künste: Supersparmodell ist gescheitert

Der Neubau am Pariser Platz wird neun Millionen Euro teurer. Jetzt übernimmt der Senat selbst die Koordinierung der Arbeiten

Klaus Kurpjuweit

Das Supersparmodell wird teuer. Der Neubau der Akademie der Künste am Pariser Platz soll nach Angaben von Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) nach aktuellen Berechnungen 47 Millionen Euro kosten. Veranschlagt waren 38 Millionen Euro. Weil Berlin den Bau nicht über den ordentlichen Etat finanzieren wollte, hatte sich die große Koalition Ende der 90er Jahre zu einem komplizierten Bau- und Finanzierungsmodell entschieden. Zumindest im Baubereich ist es jetzt gescheitert.

Der Vertrag mit dem bisherigen Generalunternehmer Pegel & Sohn ist gekündigt worden. Jetzt soll unter der Regie der Stadtentwicklungsverwaltung weitergebaut werden, die aber nicht als Bauherr auftritt. Derzeit ruhen die Arbeiten. Im Sommer 2004 könnte das Gebäude übergeben werden, ist Strieder zuversichtlich. Ursprünglich sollte die Akademie bereits im Mai einziehen.

Pegel & Sohn stellte , wie berichtet, die Arbeiten wegen des Kostenstreits ein. Darauf habe man mit der fristlosen Kündigung des Vertrages reagiert, teilte Strieder gestern mit. Die von Pegel & Sohn beauftragten Subunternehmen wolle man weiter beschäftigten, vorausgesetzt, sie stellten keine höheren Forderungen, so Strieder weiter.

Von den Mehrkosten seien bereits 6,5 Millionen Euro anerkannt und vom Parlament bewilligt worden. Pegel & Sohn hatte weitere Mehrkosten in Höhe von 14 Millionen Euro geltend gemacht, die aber nicht anerkannt worden seien. Auch eine geforderte Bürgschaft der Baufirma über 22 Millionen Euro war abgelehnt worden. Ob auch die Kündigung des Vertrages am Ende zu Mehrkosten führen wird, könne im Moment nicht gesagt werden, sagte Strieder.

Bei öffentlichen Bauten kommt es regelmäßig zu Nachforderungen der Baufirmen. Sie kalkulieren nach Strieders Angaben ihr Angebot „hart an der Kante“, um den Zuschlag zu erhalten. Später stellten die Firmen dann weitere Forderungen, so genannte Nachträge, die aber häufig auch auf Planungsänderungen beruhen. Bei Pegel & Sohn waren es über 100 Nachträge. Firmen hätten dafür ein mit Juristen besetztes „Nachtragsmanagement“ entwickelt. Inzwischen habe die Verwaltung darauf mit einem „Nachtragsabwehrmanagement“ reagiert. Forderungen würden nicht mehr in der bisherigen Form anerkannt. Dies führt dann häufig zu Streitereien.

Um die Subunternehmen nicht zu gefährden, habe man Ende April sogar 5 Millionen Euro „überzahlt“, sagte Strieder. Ein Fassadenbauer hatte wegen des ausbleibenden Geldes seine Arbeiten bereits vorübergehend eingestellt. Im Gegenzug habe Pegel & Sohn zugesichert, dass das Haus am 15. Dezember übergeben werde. Jetzt sei man erneut zehn Wochen in Verzug. Bauherr war und bleibt bei der komplizierten Konstruktion die Firma Lindo GmbH & Co KG, hinter der eine Leasinggesellschaft steht. Die Bauverwaltung habe in Lindos Auftrag nur die Bauausführung überwacht. Lindo finanziert den Bau vor, und die Akademie stottert über 20 Jahre hinweg die Raten dann über die Miete ab. So musste der Senat die Bausumme nicht sofort aufbringen. Die auf die Zukunft verschobenen Ratenzahlungen beim „Mietkaufmodell“ sind aber insgesamt am Ende höher als die reinen Baukosten. Das Modell der vielen Zuständigkeiten habe sich nicht bewährt, so Strieder.

Mit dem Weiterbau will er ein Projektbüro beauftragen; einen neuen Generalunternehmer soll es nicht geben. Die Grünen hatten der Bauverwaltung vorgeworfen, sie sei bei großen Projekten generell überfordert.

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