Berlin : Akademie der Künste wird vorerst nicht weitergebaut

Streit um Mehrkosten eskaliert: Generalunternehmer Pegel & Sohn zieht seine Arbeiter ab, weil er vergeblich auf mehr Geld gewartet hat

Christian van Lessen

Mehrere Monate vor der geplanten Fertigstellung der Akademie der Künste ist die Baustelle am Pariser Platz stillgelegt worden. Die Baufirma Pegel & Sohn beansprucht 14 Millionen Euro Mehrkosten und streitet darüber seit Monaten mit dem Land Berlin. Im März konnte ein angedrohter Baustopp gerade noch verhindert werden. „Wir räumen den Kran weg und fegen alles sauber“, kündigte Prokurist Stephan Allner gestern an.

Das Gebäude, entworfen von Günter Behnisch und Werner Durth, sollte ursprünglich schon vor zwei Jahren fertig sein. Jetzt hofft die Akademie, die immer wieder vertröstet worden ist, auf einen Einzug im nächsten Mai – wenn die Bauarbeiten fortgesetzt werden. Pegel und Sohn ist seit 1999 Generalunternehmer. Es habe in langen Verhandlungen mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und der Bauherrengesellschaft Lindo „keine Klarheit über die Bezahlung wesentlicher offener Rechnungen hergestellt werden können“, sagte Allner.

Vergeblich sei die Bitte gewesen, die Ansprüche wenigstens in Form einer Bürgschaft abzusichern, „weil Lindo vielleicht morgen kaputtgehen kann. Dann ist gar kein Geld mehr da“. Um wirtschaftlichen Schaden für das Unternehmen und seine Lieferanten abzuwenden, habe es keine Alternative gegen. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gab sich gestern überrascht. Es gebe keinen Grund, die Arbeit einzustellen, außerdem „wird die Bürgschaft kommen“, sagte Sprecherin Petra Reetz. Allner zeigte sich davon wenig beeindruckt: „Wir werden neu verhandeln müssen.“ Die Baufirma verlangt „Zahlungszusagen für vom Bauherrn geforderte zusätzliche und geänderte Bauleistungen.“

Vor vier Monaten hatte sich das Unternehmen, wie berichtet, mit der Senatsverwaltung über 89 angeblich notwendige Mehrleistungen in Höhe von 14 Millionen Euro gestritten – bei zuvor geplanten Gesamtkosten von 38 Millionen Euro. Senator Peter Strieder (SPD) sprach von „grottenschlechten“ Verträgen mit der Baufirma, wobei er seinem Vorgänger Jürgen Klemann (CDU) eins auswischte. Es sei versäumt worden, einen exakten Festpreis zu vereinbaren. Die Akademie beanspruchte zusätzliche Medientechnik für „hochkarätige Ausstellungen“, außerdem war der Baugrund sumpfiger als gedacht, der Wärmeschutz erforderte eine aufwändigere Verglasung. Der Hauptausschuss gab im Frühjahr erst einmal 6,45 Millionen Euro für anerkannten Mehrbedarf frei.

Damit konnte die Stilllegung der Baustelle vermieden werden. Petra Reetz sagte, von 5 Millionen Euro, die die Baufirma Ende April erhalten habe, seien erst für 2,1 Millionen Euro Arbeitsleistung erbracht worden, man könne „keine Notlage“ erkennen. Die Akademie der Künste fühlte sich machtlos zwischen den Seiten. Immer wieder wurden Eröffnungstermine verschoben. Wie es weitergehen soll, weiß dort niemand. „Wir sehen nicht durch,“ sagte der Sprecher der Akademie, Manfred Mayer. Unklar ist, ob wenigstens die reinen Bauarbeiten bis Jahresende abgeschlossen sind. Selbst den beteiligten Senatsverwaltungen fehlt mitunter der Durchblick. Bei der Frage nach der Bauherrin Lindo verwies die Stadtentwicklungsbehörde auf die Finanzbehörde, die fühlte sich unzuständig. Lindo aber ist eine Leasinggesellschaft, zu deren Gesellschaftern die Finanzverwaltung gehört. Die Bauverwaltung ist für die Bauplanung, Ausführung und Abnahme zuständig.

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