Berlin : Akademie wird vollendet – notfalls vom Steuerzahler

Bauwerk am Pariser Platz soll 2004 mit voller Nutzung der Untergeschosse übergeben werden. Strieder: Schimmel keine Gefahr für Archiv

Klaus Kurpjuweit

Am Pariser Platz, der gerne als Berlins gute Stube bezeichnet wird, soll es keine Bauruine geben. Im Streit um die Mehrkosten für den – noch – unvollendeten Neubau der Akademie der Künste auf der Südseite des Platzes werde zur Not der Senat eingreifen, so dass das Haus im Sommer nächsten Jahres übergeben werden könne, kündigte Bausenator Peter Strieder (SPD) gestern an. Die Baufirma Pegel und Sohn hat, wie berichtet, die Arbeiten eingestellt, weil sie sich mit der Bauherrengesellschaft Lindo AG nicht über geforderte Mehrkosten in Höhe von 14 Millionen Euro einigen konnte. Veranschlagt ist der Bau mit 40 Millionen Euro.

Eine Entwarnung kam gestern von Strieder auch zu dem Vorwurf der Baufirma, die Untergeschosse der Akademie seien für die Aufnahme des hochwertigen Archivbestandes nur bedingt geeignet. An den Wänden ist Schimmelbefall festgestellt worden. Auf Nachfrage erläuterte Pegel und Sohn, dass damit nur gemeint sei, dass die Lüftungsanlage ständig laufen müsse. Einen Ausfall dürfe es nicht geben.

Nach Angaben von Fachleuten ist es möglich, mit Magazinen in die Tiefe zu gehen. Auch die Staatsbibliothek Unter den Linden muss diesen Weg aus Platzgründen beschreiten. In der neuen Staatsbibliothek an der Potsdamer Straße in Tiergarten lagern Bücher ebenfalls im Untergeschoss. Allerdings ist der Bau aufwändig. Für die Staatsbibliothek Unter den Linden haben die Architekten zunächst eine Wand aus wasserundurchlässigem Beton vorgesehen. Dann folgt ein begehbarer Pufferraum, dem sich dann erst die Magazinräume anschließen. Ein Feuchtigkeitstransport findet trotzdem statt. Die gewünschte Luftfeuchte wird deshalb über eine Klimaanlage gesteuert, wie es auch für die Akademie am Pariser Platz vorgesehen ist. Eine so genannte Doppelwanne gibt es dort aus Platzgründen aber nicht.

Das Archiv der Akademie liegt bis zu 17 Meter unter der Oberfläche; bei der Staatsbibliothek werden es etwa 12 Meter sein. Ursprünglich war für die Akademie ein ebenerdiger Archivbau vorgesehen. Diese Fläche wurde aber verkauft. Dort hat das Hotel Adlon jetzt seine neuen Konferenzräume gebaut. Der Weg in den Untergrund trieb die Baukosten der Akademie nach oben.

„Raumklimatisch bieten die Untergeschosse des Neubaus ideale Bedingungen für die vorgesehene Nutzung“, teilte Strieder gestern mit. Unabhängig von den Jahreszeiten würden im Betrieb die besten Voraussetzungen für die erforderliche Klimatisierung des Archivs gegeben sein. Der Schimmelbefall sei baubedingt und nur vorübergehend. Unter anderem habe die derzeitige hohe Außentemperatur sowie das rege Arbeiten an den Archiveinbauten zu einer höheren Luftfeuchte geführt, die den Schimmelbefall begünstige.

Die Pilze könnten durch eine einfache Behandlung abgetötet werden. Dazu habe man den beauftragten Generalunternehmer Pegel und Sohn aufgefordert, erklärte Strieder weiter. Sollte die Firma, die die Bauarbeiten eingestellt hat, diese Leistung verweigern, müsse die Lindo AG als Bauherr ein anderes Unternehmen damit beauftragen.

Die kulturpolitische Sprecherin der Grünen, Alice Ströver, forderte, der Bauverwaltung die Verantwortung für anspruchsvolle Bauten zu entziehen. Dies gelte auch für die Topographie des Terrors oder den Umbau des Marstalls am Schlossplatz.

Letzter bei den Bauten am Pariser Platz ist der Senat allerdings nicht. Wo die amerikanische Botschaft entstehen soll, klafft immer noch eine Lücke. Allerdings haben die Vereinigten Staaten angekündigt, demnächst bauen zu wollen. Gibt es für die Akademie keine Lösung, könnten die Amerikaner den Senat doch noch überholen.

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