Berlin : Akquise, erster Akt

Dietmar Schwarz hat viele Ideen für die Deutsche Oper. Auf neuen Wegen sucht er Unterstützer.

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Blick nach vorn. Dietmar Schwarz, Intendant der Deutschen Oper, hat Ideen für eine innovative Kulturförderung. Foto: Vincent Schlenner
Blick nach vorn. Dietmar Schwarz, Intendant der Deutschen Oper, hat Ideen für eine innovative Kulturförderung. Foto: Vincent...

Arien im Autohaus? Das wäre früher völlig undenkbar gewesen. Aber bei der Suche nach neuen Freunden und Partnern gehen auch Institutionen der Hochkultur neue Wege. Dietmar Schwarz ist seit einem Jahr Intendant der Deutschen Oper. In dieser Zeit hat er sich auf Tour begeben, um neue Geldquellen zu erschließen. So kam es zu dem Intermezzo in der Mercedes-Welt am Salzufer, die über eine gute Akustik verfügt.

Anspruchsvolle Projekte, wie die Tischlerei hat Schwarz in der Bismarckstraße durchgesetzt, obwohl er das Haus – „ohne klagen zu wollen“ – im Grunde unterfinanziert findet und mit zu wenigen Mitarbeitern ausgestattet. Denn dass die Oper außerhalb ihres eigenen Gebäudes auftritt, soll keine Regel werden. Schwarz findet es wichtig, „einen Schutzraum zu schaffen für die Kunst: „Kunst muss zu einem bestimmten Teil abgehoben sein, wenn sie Schritte weiter nach vorne machen will.“ Aber man „muss auch Inhalte kommunizieren, die für viele verständlich sind“. Der Intendant ist also auch Brückenbauer zwischen Publikum, Förderern und der Deutschen Oper.

An den Amerikanern bewundert Schwarz den unverkrampften Umgang mit Sponsoring, was natürlich auch mit dem anderen Gesellschaftssystem zu erklären ist. Doch auch zwei der acht Nachwuchssänger an der Deutschen Oper werden von der „New York Opera Foundation“ finanziert.

Beim jährlichen „Fundraising Dinner“ hat Schwarz Gelegenheit, die dortigen Gepflogenheiten zu studieren. Wobei es bei diesen Stipendien nicht um exorbitante Summen geht, die Sänger bekommen nur etwa 1800 Euro im Monat. Wer richtig viel Geld einsammeln will, braucht professionelle Mitarbeiter. Dass sein Kollege in London 52 Leute zur Verfügung hat, die allein fürs Sponsoring zuständig sind, erwähnt der Intendant mit einem Lächeln. Solchen Aufwand braucht er hier nicht. Aber wenigstens einen Mitarbeiter zu haben, der sich dieses Themas professionell annimmt, wäre schon ein Traum. Bislang kümmern sich verschiedene Abteilungen neben den eigentlichen Aufgaben darum. Aber: „Die entscheidenden Gespräche mit Sponsoren muss der Intendant führen“, sagt Schwarz. Er wolle seine Rolle nicht überbewerten, beim vorigen Posten in Basel in der vergleichsweise reichen Schweiz sei es auch nicht leichter gewesen, an zusätzliche Mittel zu kommen. In Berlin will er den sehr engagierten Förderkreis der Deutschen Oper zwar auch nicht zu groß werden lassen. Aber besonders in der obersten Kategorie der Mäzenaten, die mindestens 2000 Euro jährlich geben, könnte er Verstärkung noch gut gebrauchen.

Für das Jugendprogramm hat die Oper Förderer in Baden-Württemberg gefunden. Die Karl-Schlecht-Stiftung eines Mercedes-Zulieferers unterstützt es mit 25 000 Euro im Jahr. Stiftungen werden als Förderer ohnehin immer wichtiger. Die Ernst-von-Siemens-Stiftung hat die vergangene große Komposition bezahlt. Schwarz ist sich sicher, dass auch unter den vielen jungen Start-ups in Berlin Freunde der Oper zu gewinnen wären.

Die Konkurrenz in Berlin ist freilich groß: „Alle sind an den selben Firmen und Vorständen interessiert.“ Ob sich ein Unternehmen auf eine dauerhafte Partnerschaft einlässt, hängt in aller Regel vor allem von den Interessen des jeweiligen Vorstandsvorsitzenden ab. Lange bekam die Deutsche Oper eine Million jährlich von VW. Dass dies schon lange nicht mehr der Fall ist, hat die neue Partnerschaft mit Mercedes Benz erst möglich gemacht. Im Gespräch mit dem Mercedes-Chef Walter Müller sei klar geworden, dass die Zielgruppen sehr ähnlich seien. Eine neue Partnerschaft soll auch dazu dienen, neues Publikum zu erschließen. „Der grüne Punkt“, die GmbH, die sich auf nachhaltiges Recycling spezialisiert hat, ist ebenfalls ein Partner und spricht noch ein anderes Publikum an als Mercedes. Im Rahmen dieser Partnerschaft gab es auch schon eine Sondervorstellung mit dem Umweltminister. „Man muss immer etwas Neues bringen“, sagt Schwarz. Das bezieht sich nicht nur aufs Programm. Neue Orte für die Oper zu erschließen, macht ihm Spaß. Grenzen werden ihm nur durch Benimmdefizite gesetzt. Gerade in Berlin muss man damit rechnen, dass keine Arie so ergreifend sein kann, dass sie die Leute am Reden hindert. Die „Kultur des Zuhörens“ könnte nach seinem Gefühl besser gepflegt werden. Denn Oper, einfach mal so mittendrin, wenn alle plaudern und am Handy spielen, das passt nicht.

Aber wenn die Menschen wirklich still werden, dann treten Intendant und Sänger zugunsten neuer Förderer auch mal an unerwarteten Stellen auf. Warum nicht mal eine Oper auf dem Golfplatz?

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