Aktion "Berlin sagt danke" : Berlin dankt den Ehrenamtlichen

Am Sonntag ehrte die Stadt zum zweiten Mal ihre zahllosen ehrenamtlich Engagierten mit einem besonderen Geschenk: Gratis-Eintritt an vielen Orten.

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Projekte, die in der Flüchtlingshilfe aktiv sind, stellten sich am Sonntag im Roten Rathaus beim "Markt der Möglichkeiten" vor.
Projekte, die in der Flüchtlingshilfe aktiv sind, stellten sich am Sonntag im Roten Rathaus beim "Markt der Möglichkeiten" vor.Foto: dpa / Jörg Carstensen

Es ist 13 Uhr. Elke und Herbert Szukalsky kommen zufrieden aus dem Zoo-Aquarium. Eintritt mussten sie nicht zahlen, denn am Sonntag war wieder "Dankeschön"-Tag. Berliner Ehrenamtler durften gratis ins Museum oder auf den Fernsehturm, ins Schwimmbad, in den Zoo, die Mercedes-Benz-Arena – um nur ein paar Beispiele zu nennen, denn die Liste ist lang. Die Aktion "Berlin sagt Danke" hat jetzt zum zweiten Mal stattgefunden; noch kann man also nicht von einer Tradition sprechen, es könnte aber eine draus werden.


Die Szukalskys hatten sich um 9 Uhr morgens gleich angestellt, um auch wirklich noch eines der 1500 Tickets zu bekommen. "Da gab es schon eine ordentliche Schlange", sagt Herbert Szukalsky. Der 66-Jährige hat gleich mehrere Ehrenämter. Er und seine Frau helfen in der Sochos-Sporthalle in Steglitz aus, seit dort im Oktober 2015 etwa 180 zu großen Teilen syrische Flüchtlinge untergebracht wurden. "Wir haben Essen ausgegeben und Betten aufgebaut, und es sind Freundschaften entstanden", erzählt Elke Szukalsky. "Wir haben mit den Flüchtlingen Radtouren gemacht und sind sogar mit ihnen verreist." Sie seien ja Rentner und hätten Zeit, sagen beide.

Vorher haben sie in Personalverwaltungen gearbeitet – sie im öffentlichen Dienst, er bei den Wasserbetrieben. "Ihre" Flüchtlinge ziehen demnächst nach Marzahn in einen Modulbau um. Zu tun haben die beiden dann immer noch genug: Sie engagiert sich außerdem beim Blutspendedienst des Deutschen Roten Kreuzes, er fährt den Wärmebus und sammelt Obdachlose ein, um sie vor dem Erfrieren zu bewahren. "Hier brauchen wir unbedingt Hilfe aus der Bevölkerung. Also bitte immer das Kältetelefon anrufen und Bescheid sagen, wenn wir einen Obdachlosen abholen sollen." Kältetelefon, Wärmebus? "Ja, es gibt auch noch den Kältebus, den betreibt die Stadtmission, und deshalb dürfen wir unseren nicht so nennen", sagt Herbert Szukalsky. Im Konkurrenzverhältnis stehe man aber nicht mehr, sondern arbeite gut zusammen.

Elke und Herbert Szukalsky helfen Flüchtlingen in Steglitz und sind sogar mit ihnen verreist.
Elke und Herbert Szukalsky helfen Flüchtlingen in Steglitz und sind sogar mit ihnen verreist.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Auffallend ist, dass die befragten Ehrenamtlichen durchgehend eine freundliche, positive Ausstrahlung haben – wer anderen hilft, scheint sich zugleich selbst zu helfen. In Berlin engagieren sich rund 1,3 Millionen Menschen auf die unterschiedlichsten Arten. Irene Stephani zum Beispiel kümmert sich auf dem Moabiter Kinderhof um die Buchhaltung und den Papierkram des Vereins – auch das muss gemacht werden, damit der Betrieb läuft. Der Kinderhof ist ein Abenteuerspielplatz in der Seydlitzstraße, direkt am Fritz-Schloß-Park. Dort könne man wegen des Parks sehr gut Vögel beobachten, sagt Stephani. Es gebe auch einen Hüttenbaubereich, eine Fahrradwerkstatt, es wird gekocht, gebacken, gebastelt, getrommelt, und viele Kinder nehmen auch die Lernangebote wahr.

Die Familien der Gegend seien oft sehr groß und hätten wenig Geld, ihre Kinder aber seien lernbegierig und ehrgeizig, und deshalb gebe es ein Lernprojekt, für das im Übrigen noch weitere Ehrenamtliche gesucht würden. Wir treffen Stephani im Roten Rathaus auf dem "Markt der Möglichkeiten", wo viele Projekte mit Ständen vertreten sind. "Ich wollte mal schauen, was andere so machen, und ob ich vielleicht jemanden finde, der noch eine Möglichkeit sucht, sich zu engagieren", sagt Stephani, 57, im Hauptberuf Lehrerin.

Der Kinderhof Moabit könnte noch Leute gebrauchen. Irene Stephani hält nach ihnen Ausschau.
Der Kinderhof Moabit könnte noch Leute gebrauchen. Irene Stephani hält nach ihnen Ausschau.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Da am "Dankeschön"-Tag niemandem der Beweis seines Engagements abverlangt wird, ist dies eigentlich ein Angebot, von dem alle Berliner profitieren. An der Zoo-Kasse ergattern mittags tatsächlich drei junge Berliner dank ihrer Meldebescheinigung einige der letzten Freikarten für den Zoo. Ein Ehrenamt haben sie nicht, aber gelesen, dass es reicht, in Berlin gemeldet zu sein, um umsonst reinzukommen, wie sie sagen. Hat geklappt.


Die Grenzen sind ohnehin fließend. Steffi Schlör zum Beispiel, die sich mit Freundin Anja Warkotsch zum Besuch der Galerie C/O Berlin verabredet hat, erzählt, dass sie zwar lange als Ehrenamtliche gearbeitet habe, mittlerweile aber Geld für ihre Arbeit bekomme. Die 35-Jährige leitet das Frauenzentrum "Affidamento" in Neukölln, das Frauen in sozialer Not unterstützt. Für Anja Warkotsch, ebenfalls 35, ist ihr Job mehr als nur das Geld, das sie dafür bekommt - "dafür ist es nämlich zu wenig", sagt sie. Die Sozialwissenschaftlerin bringt Kindern im Problemkiez Englisch bei.

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