Berlin : Aktion „Blaue Schuhe“: Schüler begleiten Schüler

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Mit Bewegung. Kinder dreier Moabiter Grundschulen testen neue Wege zum Unterricht. Foto: David von Becker
Mit Bewegung. Kinder dreier Moabiter Grundschulen testen neue Wege zum Unterricht. Foto: David von Becker

Eine Signalweste verleiht Autorität, der zehnjährigen Sulamith auf jeden Fall. „Ich gehe voran!“, sagt sie selbstbewusst, die anderen Kinder folgen ihr artig. So wird das demnächst öfter ablaufen, denn Sulamith absolviert unter Anleitung der Verkehrspolizei eine Ausbildung zur Schulwegbegleiterin. Im Wechsel mit 14 Gleichaltrigen wird die Viertklässlerin der Gotzkowsky-Grundschule künftig dafür Sorge tragen, dass die Erstklässler wohlbehalten auf dem Schulhof eintreffen. Ein Projekt, für das sich drei Moabiter Grundschulen zusammengetan haben. Am Donnerstagvormittag feierten sie mit zahlreichen Luftballons die offizielle Eröffnung ihrer Quartierparcours.

„Blaue Schuhe“ heißt die Aktion, in deren Rahmen Schüler der Grundschulen Gotzkowsky, Carl-Bolle und James-Krüss in ihren Einzugsbereichen Treffpunkte markiert haben, die als Ausgangsorte für einen gemeinsam zurückgelegten Schulweg dienen sollen. Mit Beginn des kommenden Schuljahres im August werden die Nachkömmlinge dort zu festen Zeiten von älteren Schülern erwartet, deren Aufgabe es ist, die Jüngeren sicher zum Schultor zu geleiten. Deren Eltern sind ausdrücklich dazu aufgefordert, ihre Kinder an den „Haltestellen“, nicht erst unmittelbar vor dem circa 500 Meter entfernten Schulgebäude, zu verabschieden.

„Die Kinder sollen lernen, soziale Verantwortung zu übernehmen“, sagt Holger Leimbach, Schulleiter der Gotzkowsky-Grundschule an der Zinzendorfstraße. Initiator des Projekts ist der Verein „Berlin bewegt“, der mit den Gehwegbemalungen in erster Linie ein anderes Ziel verfolgt: Alle paar Schritte werden die schlichten Fußabdrücke durch Spielfelder ergänzt, die zum Aktivwerden einladen. „Schon kurze Bewegungsphasen leisten einen wichtigen Beitrag für die Gesundheit“, erklärt Projektleiterin Birgit Funke. Die Parcours haben die Schüler selber gestaltet, Spiele entwickelt und Schablonen gebastelt. Der elfjährige Taha findet das Ergebnis super: „Jetzt ist mein Schulweg nicht mehr so langweilig.“ Dass er wegen des frühmorgendlichen Gehüpfes zu spät oder erschöpft im Klassenraum ankommt, schließt er aus. „Im Gegenteil! Endlich werd’ ich mal so richtig wach.“ Maris Hubschmid

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