Aktion der Berliner Hotellerie : Urlaub zu Hause

Bei der Aktion „Erlebe Deine Stadt“ können Berliner erneut Zimmer in Hotels der Stadt zum Sparpreis buchen - um 9 Uhr geht es los. 78 Häuser machen mit, darunter viele Luxushotels. Wer dabei sein will, muss schnell sein – oder sich beim Tagesspiegel melden.

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Hereinspaziert. Auch das Schlosshotel in Grunewald öffnet Anfang Januar wieder für Berliner.
Hereinspaziert. Auch das Schlosshotel in Grunewald öffnet Anfang Januar wieder für Berliner.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Bestimmt wird die Telefonnummer 25 00 25 der Berliner Tourismusgesellschaft am Mittwoch wieder überlastet sein, und mit einiger Wahrscheinlichkeit wird der Server für Hotelbuchungen zusammenbrechen. Denn so war es bisher immer, wenn Visit Berlin die Reservierungen für die Aktion „Erlebe Deine Stadt“ startete. Zum vierten Mal können Berliner und Brandenburger am ersten Januar-Wochenende zum Sonderpreis von 55 Euro pro Person in hiesigen Hotels übernachten, die mehr als 3400 Zimmer anbieten.

Das Interesse ist enorm, im vorigen Jahr wurden in wenigen Stunden rund 20 000 Anrufe, Anrufversuche und Zugriffe auf die Webseite www.erlebe.visitberlin.de gezählt.

Trotz einer Urlaubssperre im Callcenter sah sich Visit-Berlin-Chef Burkhard Kieker schon vorab veranlasst, Kritiker zu besänftigen: „Man muss auch mal Geduld haben.“ Selbst nach ein paar Stunden werde es noch freie Zimmer geben. Wer allerdings unbedingt in einem bestimmten Luxushotel übernachten möchte, braucht erfahrungsgemäß viel Glück.

Der Tagesspiegel und Visit Berlin verlosen Gratis-Übernachtungen.

78 Hotels laden in der Nacht vom 4. auf den 5. Januar zu sich ein, das sind 15 mehr als im Vorjahr. 20 gehören zur Luxusklasse, laut Kieker sind inzwischen „fast alle Fünf-Sterne-plus-Häuser dabei“. Erstmals beteiligen sich das Ritz-Carlton und das Marriott am Potsdamer Platz, das Kempinski und Louisa’s Place am Kurfürstendamm, das Grand Hotel Esplanade in Tiergarten – und das noch gar nicht fertige Hotel am Steinplatz in Charlottenburg.

Letzteres soll offiziell erst im Februar aufmachen, die Voreröffnung ist aber schon im Dezember geplant. Einst war das Hotel neben dem ehemaligen Kino am Steinplatz berühmt als „Adlon des Westens“ und hatte prominente Stammgäste; nach langem Leerstand belebt die Marriott-Gruppe es neu als Teil ihrer Marke „Autograph Collection“.

Ein Bild aus dem Vorjahr. Im Hotel de Rome begrüßte Doorman Uwe Grünes (li.) die Gäste Marlies Beier und Fritz Ziel.
Ein Bild aus dem Vorjahr. Im Hotel de Rome begrüßte Doorman Uwe Grünes (li.) die Gäste Marlies Beier und Fritz Ziel.Foto: Georg Moritz

Das im Januar eröffnete Waldorf-Astoria im Zoofenster-Turm am Breitscheidplatz macht zum zweiten Mal mit. Unter den beteiligten Luxushäusern sind auch das Hotel de Rome in Mitte, das Alma Schlosshotel in Grunewald, das Hilton am Gendarmenmarkt, das Mandala am Potsdamer Platz, das Palace im Europa-Center, das Concorde am Joachimstaler Platz sowie Interconti und Maritim in Tiergarten. Soeben wurde bekannt, dass der „Brandenburger Hof“ zum Jahreswechsel verkauft wird an die Unternehmerfamilie Wöhrl; dies ändert aber nichts daran, dass auch das 72-Zimmer-Haus in Schöneberg erneut mit von der Partie ist.

Auch viele Vier-Sterne-Hotels laden zu sich ein. Das größte Kontingent stellt das Scandic am Potsdamer Platz mit 200 Zimmern, in der Nachbarschaft kommt das im Frühjahr eröffnete Wyndham Grand hinzu. Eines der gefragtesten Vier-Sterne-Häuser bei der Aktion ist das Musik- und Designhotel nhow an der Stralauer Allee, wo Gäste während der „Open Mic Night“ die Auftritte neuer und wenig bekannter Bands erleben können.

Kostenfreie Extras gibt es auch woanders: Das Spektrum reicht von Hausführungen über Bio-Weinproben und Wellnessbehandlungen bis zur „Bienen- Nacht“ rund ums Thema Honig im NH am Alex. Mit einem Gratis-Besuch in der Kleinkunstbühne „Bar jeder Vernunft“ lockt das Plaza in der Knesebeckstraße. Manches kostet zusätzlich, etwa eine vom Palace angebotene Führung über den Ku’damm und eine Cocktailschulung im Tiergartener Novotel.

Wozu die Mühe? Zum einen geht es um Mundpropaganda: Berliner empfehlen die Häuser oft weiter an Bekannte aus dem In- und Ausland. Außerdem sieht die Hotellerie die Chance, Ressentiments gegen den Tourismus-Boom abzubauen. Das jüngste Beispiel ist die Forderung der Grünen in Friedrichshain-Kreuzberg, die „Hotel- und Hostelflut“ zu stoppen.

Nicht zuletzt wird die Branche auch um Nachwuchs werben. „Es war noch nie so schwer, gute Azubis zu finden“, sagt Direktor Hans Eilers vom Hotel Savoy in Charlottenburg. Einige Häuser wollen Info-Flyer zur Berufsausbildung auslegen.

Unterdessen geht die Rekordjagd im Berlin-Tourismus weiter. Ursprünglich hatte Visit Berlin bis 2020 insgesamt 30 Millionen Übernachtungen pro Jahr angestrebt. Bei den momentanen Zuwachsraten dürfte dieses Ziel schon 2016 oder früher erreicht werden.

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