Aktion der Polizei : Beamte aus Berlin und Brandenburg spenden für getötete Kollegen

Ein Fonds sammelt für Angehörige von Beamten, die im Dienst ums Leben gekommen sind oder nicht mehr arbeiten können. Auch "gesellschaftliche Solidarität" soll dokumentiert werden.

Emilie Brummel
An der Bundesstraße 168 in Oegeln im Landkreis Oder-Spree (Brandenburg) wurden vor kurzem zwei Polizisten bei der Flucht eines Mannes getötet.
An der Bundesstraße 168 in Oegeln im Landkreis Oder-Spree (Brandenburg) wurden vor kurzem zwei Polizisten bei der Flucht eines...Foto: dpa/ Patrick Pleul

Sven Grigoleit war klar: Er will für die Hinterbliebenen der beiden in Brandenburg ermordeten Polizisten spenden. Der 46-Jährige ist selbst Beamter, arbeitet bei der Bundespolizei in Berlin. Nun ist er Großspender. In der Bundespolizeidirektion war intern dazu aufgerufen worden, die Familien der Beamten zu unterstützen. Grigoleit machte deshalb bei einem Gewinnspiel des Radiosenders 94,3 rs2 mit – und sagte auch warum: für die getöteten Brandenburger Kollegen.  Vor einer Woche erfuhr Grigoleit, dass er 2200 Euro gewonnen hat. Im uckermärkischen Schwedt (Oder) sammelte die Belegschaft der PCK-Raffinerie Spenden, die Geschäftsführung legte die gleiche Summe noch einmal oben drauf.

Es sind Geschichten wie diese, die zeigen: Die Anteilnahme für die Familien der beiden nahe Beeskow getöteten Beamten ist auch zwei Wochen nach der Tat ungebrochen. Insgesamt sind schon mehrere Zehntausend Euro für die Hinterbliebenen gesammelt worden. Der Verein „Grüner Stern“, der innerhalb der Brandenburger Polizei aktiv ist, hat bereits mehr als 30.000 Euro von Polizisten aus ganz Deutschland beisammen. Der Martin-Heinze-Fonds, dessen Schirmherr Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) ist und der auch außerhalb der Polizei um Spenden werben darf, hat ebenfalls eine fünfstellige Summe beisammen, gibt traditionell aber keine Auskunft über die konkrete Höhe.

Fonds sammelt für Angehörige ums Leben gekommener Kollegen

Der Fonds sammelt für Angehörige von Beamten, die im Dienst ums Leben gekommen sind oder nicht mehr arbeiten können. Im aktuellen Fall zählt der Stiftungsfonds am gestrigen Montag bereits mehr als 400 Spender. Dabei gehe es nicht nur um die finanzielle Unterstützung für die Hinterbliebenen, sagte Stiftungssprecher Ullrich Papperitz. „Wir dokumentieren damit auch die gesellschaftliche Solidarität.“ Das helfe den Angehörigen, den Verlust zu verarbeiten. Ihnen werde gezeigt, dass sie nicht alleine sind, sagte Papperitz.

Die beiden 49 und 52 Jahre alten Beamten waren von einem unter Schizophrenie leidenden Intensivtäter am Dienstag vor zwei Wochen bei Beeskow an einer Straßensperre überfahren worden. Sie hinterlassen ihre Frauen und jeweils drei Kinder. Einer der Beamten ist am Samstag in Rietz-Neuendorf beigesetzt worden, der andere wird am kommenden Sonnabend in Schernsdorf bei Beeskow beerdigt. Zum Trauergottesdienst am 25. März im Dom zu Fürstenwalde hält Markus Dröge, der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, die Predigt.

Noch sind nicht alle Spenden ausgezählt. Bei der Bundespolizei in Berlin endete die interne Sammlung am Montag. Der Präsident der Direktion Berlin, Thomas Striethörster, will das Geld an Brandenburgs Polizeichef Hans-Jürgen Mörke übergeben. „Wir können das Leid damit nicht heilen, aber lindern“, sagt Thorsten Peters, Sprecher der Bundespolizeidirektion. Beide Polizeibehörden arbeiteten in der Grenzregion an der Oder zusammen, einige Kollegen kennen sich auch persönlich.

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