Aktion Ehrensache : Die Starthelfer

In Marzahn schieben drei Freunde die Projekte junger Leute an. Ihre "Youth Bank" bietet viele Ideen und ein bisschen Geld.

Patricia Hecht

In einem alten graffitibunten Plattenbau in der Wurzener Straße in Marzahn haben drei Banker ihr Büro. Drinnen liegen neben der gemütlichen Sofaecke Kekse und Trauben auf einem kleinen Tisch. An der Wand sind die Umrisse des Bezirks Marzahn-Hellersdorf zu sehen, dunkelgrün ausgemalt.

Tina Uhlemann (19), Laura Schurig (20) und Matthias Köpke (23) sitzen wie jeden Montagabend einem jungen Interessenten gegenüber, der ihnen etwas vorstellt, das sie „Mikroprojekt“ nennen. Die drei betreiben ehrenamtlich die Youth Bank Marzahn-Hellersdorf, beraten junge Leute mit Projektideen und vergeben dafür auch Geld. Große Kreditsummen sind allerdings nicht drin: Einmalig gibt es bis zu 400 Euro. Heute geht es um ein kostenloses Modemagazin, dessen Druckkosten sich ein Mädchen sponsern lassen möchte.

Uhlemann, Schurig und Köpke engagieren sich seit vier Jahren bei der Youth Bank, einem bundesweiten Programm der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, das von verschiedenen Stiftungen und Unternehmen finanziert wird. Im Fall Marzahn ist das die Kette Greenline-Hotels. „Wir sind damals selbst über ein Projekt reingerutscht, an dem wir mitgearbeitet haben“, sagt Laura. Es war ein Non-Profit-Festival des Bezirks mit Jazzbühne, Feuershow und Freiluftkino. „Damals haben wir gemerkt, wie viel Spaß es macht, sich auszuprobieren und eigene Ideen zu verwirklichen.“

Die Ideen der anderen, die sie seitdem fördern, füllen ganze Reihen von Ordnern. Ein bis zwei Anfragen kommen jede Woche. Allein dieses Jahr waren es 18 Mikroprojekte, die die drei ausgewählt, dokumentiert und unterstützt haben. Ein Filmdreh von Jugendlichen für Jugendliche etwa, der das Image von Marzahn-Hellersdorf hinterfragte; das Video wurde ins Netz gestellt. Oder ein christlich-islamischer Kongress von Studenten, der den Austausch zwischen den Religionen fördern sollte. „Jugendliche sind nicht die Couch-Potatoes, als die sie häufig verschrien sind“, sagt Tina Uhlemann. „Sie engagieren sich, und wir unterstützen sie dabei – als Partner auf Augenhöhe.“

Das heutige Gespräch mit dem jungen Mädchen ist im Übrigen eine ziemlich professionelle Sitzung. Zwar sind die „Banker“ sehr jung und die Atmosphäre ist ungezwungen – aber es geht zur Sache. Wer denn hinter dem Magazin stehe, will Matthias Köpke wissen, der, wenn er nicht gerade hier im Büro ist, Politik und Germanistik fürs Lehramt studiert. Wie das Projekt bislang finanziert wird und welche inhaltlichen Schwerpunkte gesetzt werden, fragen Tina und Laura nach, die gerade Abitur gemacht haben.

Ziemlich schnell stellt sich heraus, dass das Projekt nicht den Förderbedingungen der Youth Bank entspricht: Die Gesamtkosten des Magazins wären zu hoch und das Geld der Banker nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Trotzdem überlegen sie, welche weiteren Ansprechpartner infrage kämen und wie man die Idee des Mädchens doch noch umsetzen könnte.

Die Beratung für fremde Projekte ist nur ein Teil der Arbeit der drei, die auch privat befreundet sind: Sie planen und veranstalten außerdem eigene Vorhaben, für die sie Anträge schreiben und Sponsoren suchen. Auch diese Projekte wurzeln vor allem in Marzahn-Hellersdorf. „Wir arbeiten daran, Strukturen für Jugendliche aufzubauen, in denen sie produktiv sein können“, sagt Laura Schurig. Das soll auch dem schlechten Image des Bezirks entgegenwirken.

Nach dem heutigen Beratungsgespräch etwa bereiten die drei mit Schere, Kleber und großformatig auf Pappe gezogenen Fotos die Ausstellung „Tunnelblick“ vor. Laura Schurig hatte einen Fotowettbewerb für Jugendliche unter dem Motto „Plattenbauwelten – ganz besonders“ initiiert. Die besten Arbeiten werden nun in der Marzahner Markthalle ausgestellt.

Rund zwei Tage die Woche engagieren sich die Freunde so für fremde und eigene Veranstaltungen in ihrem Bezirk. „Natürlich ist die Arbeit zeitintensiv“, sagt Tina Uhlemann. „Aber sie macht einfach Spaß, und wir lernen viel.“ Sie selbst will ihr ehrenamtliches Engagement zum Beruf machen und ab dem nächsten Semester Wirtschaftskommunikation studieren. Für Laura Schurig, die Grundschullehrerin werden will, soll Projektarbeit weiterhin ein liebgewonnenes Hobby bleiben: „In allen Städten, in denen ich mich für die Uni beworben habe, gibt es eine Youth Bank.“ Nur Matthias Köpke sieht langsam schon das Ende seiner Bankerkarriere kommen: „Irgendwann wird man zu alt für die Zielgruppe“, sagt er. Zwei Jahre noch – dann werde er sich eben ein neues Betätigungsfeld suchen.

Weitere Informationen unter www.wep-site.de

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