Aktion Ehrensache : Migranten helfen Landsleuten

Die Website der Freiwilligenagentur Wedding gibt es außer auf Deutsch auch auf Türkisch, Arabisch und Englisch. "In Wedding wohnen eben nicht nur Deutsche", sagt Hanna-Ruth Metzger von der Agentur, "deshalb wollten wir von Anfang an auch Menschen mit Migrationshintergrund ansprechen."

Patricia Hecht

Rund 200 Anfragen hatte die Agentur 2008, etwa 30 Prozent davon kamen von Migranten.
Mitbürger aus Einwandererfamilien werden vor allem in Projekte vermittelt, bei denen sprachliche Kompetenz entscheidend ist: Eine türkische Bibliothek etwa suchte muttersprachliche Vorleser. Auch Mentorenprojekte für Jugendliche fragen bei der Agentur häufig nach Ehrenamtlichen. „Der Vorbildcharakter von Menschen, die sich hier eingelebt haben und dennoch die Probleme von jugendlichen Migranten kennen, wird sehr geschätzt“, sagt Hanna-Ruth Metzger. Auch einen türkischen Pflegedienst hat die Agentur mittlerweile in der Kartei: „Dieser Bereich wird immer wichtiger“, sagt Metzger. Die Erkenntnis setze sich durch, dass Pflege nicht nur von der Familie geleistet werden kann – und ältere Migranten bräuchten muttersprachliche Ansprechpartner.

Die einzige Ehrenamtsbörse in Berlin, die sich an eine ganz spezifische Migrantengruppe richtet, ist die des Deutsch-Russischen Austauschs. „Wir möchten freiwilliges Engagement zur Integration nutzen“, sagt die Koordinatorin Bettina Bofinger. 2000 gegründet, war die Börse zunächst als Anlaufstelle für russischsprachige Migranten gedacht. Schnell habe sich jedoch gezeigt, sagt Bofinger, dass auch Bedarf besteht, Einheimische in russischsprachige Projekte zu vermitteln. Berliner geben dann zum Beispiel Nachhilfe bei Jugendmigrationsdiensten: Andersherum hat kürzlich ein russischsprachiger Kunstschmied kreative Kurse für deutsche Behinderte angeboten.

Speziell für junge Migranten startete kürzlich das bundesweite Modellprojekt JuMiLo (Junge Migranten als Lotsen) in Neukölln, in dem junge Menschen aus Einwandererfamilien gleichaltrigen Migranten als ehrenamtliche Helfer und Berater zur Seite stehen sollen. 38 Prozent der Jugendlichen ohne, aber nur 22 Prozent der Jugendlichen mit Migrationshintergrund engagieren sich nach Zahlen der Bundesregierung bislang freiwillig. Das soll sich ändern – und das Potenzial junger Migranten soll genutzt werden. „Ich will als Lotsin zeigen, dass wir mehr können, als man uns zutraut“, sagt etwa die 19-jährige Neuköllnerin Nimet Günes, die noch ganz am Anfang ihres Engagements steht. Sie tritt demnächst ihren Dienst als Lotsin an. Patricia Hecht

Mehr Informationen im Internet:

www.austausch.org/ehrenamt-in-berlin.html

www.gic-berlin.net

www.freiwilligenagentur-wedding.de (Die Agentur ist dringend auf der Suche nach Sponsoren.)

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