Aktion : Siebzig Sprachen für die Liebe

Der Verein „Kümmere Dich“ bietet in Wedding Selbsthilfegruppen. Die Nachbarschaftshilfe braucht dringend Geld für die Miete.

Rita Nikolow
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Zusammen ist man weniger allein. Die „Kümmerer“ helfen und schenken im Soldiner Kiez ein bisschen Geborgenheit. Foto: Thilo...

Auch dieses Jahr bittet der Tagesspiegel seine Leserinnen und Leser wieder um Spenden für die Weihnachtsaktion „Menschen helfen!“. 53 Projekte und Initiativen wollen wir bedenken – und stellen in unserer Serie einige stellvertretend vor.

Es gibt schönere Viertel in Berlin als den Soldiner Kiez in Wedding. Vor allem aber: Viertel mit weniger Problemen – mit den Finanzen, mit Drogen- oder Alkoholabhängigkeit. Andreas Schoan bemüht sich seit drei Jahren um die Menschen, die hier leben: mit seinem Verein „Kümmere Dich“. Der auch dafür steht, dass Menschen lernen, sich selbst zu helfen.

Wie schwierig das manchmal ist, weiß der Geschäftsführer nicht nur aus der Fachliteratur – er hat es selbst erlebt. „Ich bin trockener Alkoholiker und habe eine psychologische Ursprungserkrankung“, sagt er ohne Selbstmitleid. Er habe erlebt, wie schwierig es sei, für diese Kombination die richtigen Hilfsangebote zu finden. Deshalb hat er mit vielen anderen in der Soldiner Straße 43 ein Selbsthilfe- und Informationszentrum aufgebaut. Links neben dem Eingang des kleinen Ladenlokals haben er und seine Vereinskollegen dutzende Broschüren ausgelegt. „Wir wollen den Menschen dabei helfen, in Berlin die richtigen Ansprechpartner für ihre Probleme zu finden.“

Schoan bietet montags eine Selbsthilfegruppe an, zu „Süchten und Abhängigkeit mit Ängsten, Depressionen und Persönlichkeitsstörungen“. Außerdem treffen sich in den Vereinsräumen Gruppen von Diabeteskranken, Drogenabhängigen und Menschen mit Psychoseerfahrungen und Bulimie. Insgesamt halten 24 Helfer den Verein am Laufen, sie alle arbeiten ehrenamtlich. Geld bekam „Kümmere Dich“ zwar auch aus dem Programm „Soziale Stadt“. Andreas Schoan, der nachts Zeitungen austrägt, hat einiges selbst bezahlt. Aber er stieß auch an eigene Grenzen.

Bislang hat der Verein seine Räumlichkeiten mietfrei genutzt. Doch nun hat der Hausbesitzer gewechselt. Für die entstehenden Zusatzkosten bittet der Verein um Spenden – die Verwendung wird er dem Tagesspiegel wie alle Empfänger bilanzieren. Er will anderen Menschen weiter dabei helfen, sich selbst zu helfen.

Und ein bisschen Sonne in den Alltag bringen. Dafür ist bei „Kümmere Dich“ Azize Karagülle mit ihrer knallroten Mütze zuständig. Sie will auch das Leben ihrer Mitmenschen ein bisschen bunter machen. Das gefällt auch einer älteren Türkin, die regelmäßig zu Azize kommt, wenn diese ihren bunten Nachmittag veranstaltet, der „mit Lyrik und Poesie zu seelischer Harmonie“ führen soll. „Wir spielen Theater und sind gemeinsam kreativ“, sagt Karagülle, die neben Deutsch auch Türkisch, Kurdisch und Arabisch spricht.

Damit baut sie vielen Migranten im Kiez eine sprachliche Brücke in den Verein. „Und wir reden in diesen Stunden einmal nicht über Probleme und Krankheiten.“ Das Leben habe doch auch schöne Seiten. Eine davon hat sie an die Wand gehängt: Die Worte „Ich liebe Dich“, in mehr als siebzig Sprachen. Rita Nikolow

Das Konto: Spendenaktion Der Tagesspiegel e.V., Verwendungszweck: „Menschen helfen!“, Berliner Sparkasse, Kt.-Nr.: 250030 942, BLZ: 100 500 00. Auch beim Onlinebanking bitte Name und Anschrift für den Spendenbeleg notieren.

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