Aktion "Welpen in Not" : Gesucht: Freunde fürs Leben

Die Welpennothilfe betreut heimatlose junge Hunde und vermittelt sie in neue Familien - und das ist weniger einfach, als man denken könnte.

Christoph Stollowsky
Die Welpennothilfe vermittelt jungen Hunden ein neues Zuhause.
Die Welpennothilfe vermittelt jungen Hunden ein neues Zuhause.Foto: dpa

Das junge Paar hatte den kleinen King-Charles-Spaniel mit dem seidigen Fell von einer Urlaubsreise durch Litauen mit nach Berlin gebracht. Doch die anfängliche Begeisterung für den gerade mal drei Monate jungen, süßen Welpen wich rasch der Ernüchterung. Permanent Gassi gehen, um Bächlein und noch Schlimmeres in der guten Stube zu verhindern, zugleich waren Frauchen und Herrchen aber beruflich mehr denn je gefordert – das ging nicht lange Zeit gut: Die beiden suchten wochenlang vergeblich nach einem neuen Zuhause für ihren Spaniel, bis sie die Initiative „Welpennothilfe e.V.“ entdeckten. Dort kam der kleine Hund erstmal gut unter – und wurde schließlich an eine Familie mit Kindern vermittelt.

„Viele Menschen denken, Welpen sind doch so niedlich. Die lassen sich ganz leicht vermitteln“, sagt die Gründerin und Vorsitzende der Initiative, Claudia Hauer (42). Aber das ist ein Trugschluss. Angesichts der süßen Hundebabys setze oft „die Vernunft aus“, weiß sie aus Erfahrung. „Wer sich für einen Welpen bewirbt, sieht dann nicht die Verantwortung, die er mit dem Tier übernimmt und die Mühen, die zumindest anfangs auf ihn zukommen.“ Deshalb schauen die Mitarbeiter der Nothilfe genau hin und stellen den Interessenten etliche, teils recht persönliche Fragen, bevor sie einen jungen Hund aus der Hand geben. Claudia Hauer: „Das Hin- und Hergeschiebe darf sich nicht wiederholen. Mensch und Tier sollen Freunde fürs Leben werden.“

Vor sechs Jahren hat Claudia Hauer die Initiative gegründet. Zuvor hatte die gelernte Hundetrainerin aus Falkensee und Inhaberin der Hundeschule „feel4dogs“ mehrfach Notfälle erlebt, bei denen Welpen plötzlich ihr erstes Heim verloren. Die Gründe sind vielfältig: Die Halter werden schwer krank, sind plötzlich beruflich mehr denn je gefordert und fühlen sich mit dem Tier überfordert. Oder ein Vermieter untersagt kategorisch die Haltung des Welpen in der Wohnung. Außerdem werden die Nothelfer zu ausgesetzten jungen Tieren gerufen. Meist sind die Welpen in Kisten eingesperrt, abgestellt an Autobahnparkplätzen oder im Wald.

Übernimmt die Initiative ein Tier, so kommt es zu einer von zehn ausgewählten Pflegefamilien. Das sind erfahrene Tierfreunde, die sich nun intensiv um die Erziehung des kleinen Schutzbefohlenen kümmern und dafür sorgen, dass der Welpe mit Aufgaben herausgefordert wird und genügend Anregungen und Eindrücke erhält. Denn gerade die Erfahrungen der ersten Monate prägen einen Hund entscheidend fürs ganze spätere Leben.
Wer sich bei der Initiative um ein Tier bewirbt, muss zuallererst einen Fragebogen ausfüllen. Danach führen die Vermittler ein telefonisches Erstgespräch, laden anschließend zum persönlichen Kennenlernen ein. Dabei erlebe die Interessenten den Welpen erstmals live. Es folgt eine 24-stündige Bedenkzeit für beide Seiten. Und dann nimmt die Initiative noch das künftige Zuhause des Welpen in Augenschein, „um ganz sicher zu gehen, dass nicht zu viel versprochen wurde.“
Mehr als hundert Jungtiere vermittelt die Welpennothilfe pro Jahr. Claudia Hauer hatte zuletzt einen Wolfshunde-Mix in Pflege. „Der Kleine hatte starke Angst, alleine zu sein, wurde rasch aggressiv, wenn ihn Frust packte“, erzählt sie. Aber die Hundetrainerin hat ihn stabilisiert. Inzwischen ist das einstige Enfant terrible in einer Berliner Familie „gut untergebracht.“

Mehr Infos: Telefon 0171-6896262, www.welpennothilfe.de

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